Anzeige

Derzeit finden im ganzen Land die traditionellen Erntedankfeste statt. Doch für die niederösterreichischen Bäuerinnen und Bauern stellt das heurige Jahr eine große Herausforderung dar. Neben höchst unterschiedlichen Erntemengen führt der Krieg in der Ukraine zu einem massiven Preisverfall am Getreidemarkt bei gleichzeitig gestiegenen Produktionskosten

Der Mostviertler EU-Abgeordnete Alexander Bernhuber zeigt die aktuelle Lage auf: „Der Krieg in der Ukraine bringt unsere niederösterreichischen Bäuerinnen und Bauern massiv unter Druck.“
Hintergrund ist die russische Blockade des Seewegs und der Wegfall der EU-Importzölle. Dadurch explodierten die Einfuhren von ukrainischem Getreide in die EU im heurigen Jahr. Auch Österreich ist stark betroffen.
„Dieses ukrainische Getreide, welches zu viel niedrigeren Qualitätsstandards produziert wurde, verdrängt nun unser hochwertiges rot-weiß-rotes Produkt. Die Importe von Lebensmitteln, die wir auch selbst in Österreich haben, schaden der Landwirtschaft enorm“, so Bernhuber.
Ein Blick auf die Börse bestätigt die Bauernbundlinie: Preis für Weizen etwa hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert.
Sinkende Erträge sind die Folge für die heimischen Ackerbauern.

Die Ernte von Getreide ist die Grundlage der Versorgungssicherheit
und schafft das tägliche Brot.

Ausgaben stiegen rasant an
Auf der anderen Seite stehen gestiegene Betriebsmittelpreise bei Dünger, Energie und Treibstoffen.
Nicht nur die heimische Landwirtschaft kämpft derzeit mit steigenden Kosten. Die steigende Inflation bringt auch Herrn und Frau Österreicher unter Druck. Strom, Benzin, Miete und auch Lebensmittel sind in den letzten Monaten teurer geworden.

„Aufzeigen, wer die wahren Preistreiber sind“
NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek stellt klar: „Während der Preis für eine Semmel in den letzten Jahren um bis zu 50% gestiegen ist, hat sich der „Bauernanteil“ am Produkt drastisch reduziert.“
Einer Berechung der Landwirtschaftskammer zufolge entfallen beim Preis für eine Semmel aktuell nur 1,3 Cent auf die Kosten für das Mehlgetreide.
Das sind nicht einmal 4 Prozent rechnet Nemecek vor und betont: „Wer nun versucht, unsere Bauern als Preistreiber oder gar Kriegsgewinner darzustellen, der sagt schlichtweg nicht die Wahrheit.“

NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek und EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber
fordern bessere Kennzeichnung für Getreide.

Kaisersemmel mit ukrainischem Weizen?
Aktuelle Auswertungen der EU-Kommission bestätigen, dass sich die Importe von Getreide, u.a. auch Weizen, stark erhöht haben.
Für Nemecek ist die Entwicklung auch für die Konsumenten fatal, denn „ohne, dass es für unsere Konsumenten sichtbar ist, wird es dennoch verarbeitet. Es gibt eine funktionierende Herkunfkunftskennzeichung in vielen Bereichen – etwa beim Fleisch oder Eiern. Beim Getreide fehlt diese aber noch.“ Das muss sich rasch ändern so Nemecek und hat dazu bereits eine Lösung: „Jetzt braucht es eine rasche Umsetzung des AMA-Gütesiegels für Brot- und Backwaren.“
Das AMA Gütesiegel sorgt derzeit bereits seit über 30 Jahren für Transparenz, etwa bei der Herkunft von Fleisch, Eiern, Gemüse, Milch und Käse. Backwaren wie Brot, Semmeln und Co. sind aktuell noch nicht vom Gütesiegel erfasst.

EU muss handeln
Bernhuber setzt sich im EU-Parlament dafür ein, dass weniger ukrainisches Getreide in die EU importiert wird und appelliert an die Kommission: „Unsere Bauern brauchen die Garantie, dass ukrainisches Getreide nur dort ankommt, wo es auch wirklich gebraucht wird und das ist der Nahe Osten und Afrika. Ebenso ist es für uns wichtig, dass Lebensmittel, die zu uns importiert werden, auch unsere hohen Standards einhalten. Das ist vielerorts nicht der Fall. In der Ukraine etwa wird mit gentechnisch veränderten Sorten und mit Pflanzenschutzmitteln, welche bei uns seit Jahrzehnten verboten sind, gearbeitet.“

Versorgung nicht leichtfertig aufs Spiel setzen
Die Sorgen des NÖ Bauernbunds um die Versorgungssicherheit sind nicht unberechtigt. Die Krisen der Vergangenheit und Gegenwart haben aufgezeigt, wie wichtig die Leistung der Bäuerinnen und Bauern im Land ist. Sie sind es, die die Regale befüllen und uns unabhängig bei der Lebensmittelversorgung machen. Deshalb müssen sie auch gestärkt werden.
Deshalb beschloss der NÖ Bauernbund unlängst ein 5×5 Forderungspapier, um genau diese Leistungsfähgikeit zu erhalten.

„Mit uns wird es keine Eigentumssteuern geben“
Neben den Forderungen zum ukrainischen Getreide und der Stärkung der Leistungsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft ist im aktuellen Bauernbund-Papier auch ein klares Nein zu Vermögens- und Erbschaftssteuerplänen festgehalten.
Für Nemecek ein wichtiger Punkt zur Erhaltung der bäuerlichen Existenzen: „Unsere Bauern arbeiten und denken in Generationen, es sind unsere Familien, um die es hier geht. Haus und Hof, Stall und Traktor dürfen nicht stärker belastet werden. Leistung muss sich in diesem Land auch weiterhin lohnen und dafür stehen wir als NÖ Bauernbund ein.“

Die Bäuerinnen und Bauern arbeiten jeden Tag im Stall und am Feld für frische heimische Lebensmittel.

Stärkung der Herkunftskennzeichnung
Damit die heimische Landwirtschaft auch stärker ins Bewusstsein und ins Blickfeld rückt, will der Bauernbund auch die Konsumenten besser und stärker über die bäuerliche Arbeit informieren. Zum Beispiel auch über die Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln. Insbesondere im Bereich der verarbeiteten Lebensmittel wie Nudeln, Wurst ist hier noch großer Aufholbedarf, denn laut Nemecek haben sowohl die Konsumenten als auch die Bäuerinnen und Bauern „Transparenz verdient“.

Leistungsschau der heimischen Landwirtschaft
Die blau-gelben Bauern sind die leistungsstärksten Landwirte im Land. Ein Viertel aller landwirtschaftlichen Betriebe und die Hälfte aller Ackerflächen in Österreich befindet sich auf den fruchtbaren niederösterreichischen Böden. Hier wird knapp die Hälfte der gesamten österreichischen Getreideernte eingefahren. Über 900.000 Tonnen Getreide werden auf fast 200.000 Hektar Anbaufläche geerntet. In Österreich sind es heuer 1,8 Millionen Tonnen. Noch deutlicher wird die niederösterreichische Leistung bei den Erdäpfeln. Insgesamt werden rund 700.000 Tonnen Erdäpfel in Österreich geerntet, 80 Prozent kommen davon aus Niederösterreich. Ähnlich sieht es bei der Zuckerrübe mit einem blau-gelben Anteil von 70 Prozent aus. Mehr als die Hälfte der gesamten österreichischen Gemüseproduktion erfolgt in Niederösterreich. Knapp 370.000 Tonnen Gemüse wurden in Niederösterreich beispielsweise im Vorjahr geerntet, in Österreich waren es, gemäß Angaben der Statistik Austria, rund 670.000 Tonnen.

1,3 Cent pro Semmel bekommen unsere Bauern für ihren Weizen.

Nur 12% der Haushaltsausgaben geben wir für unsere Ernährung aus und damit weniger als für Freizeit (13%), Verkehr (15%) und Wohnen (24%).

38 Minuten statt 1,23 Stunden für ein Kilo Schweinefleisch musste 1980 noch fast eineinhalb Stunden gearbeitet werden, heute nur mehr 38 Minuten.

50 % der Ackerfläche – Die Hälfte der österreichischen Ackerfläche und damit Grundlage der Brot- und Gemüseversorgung ist in Niederösterreich zu finden.

37.400 Betriebe So viele bäuerliche  Betriebe gibt es in Niederösterreich.

Fotos: © NÖ Bauernbund

Anzeige