Im Austausch zum Thema Pflege mit Pflegelehrling Angelina Hager und den Bewohnerinnen des Pflegehauses St. Louise.
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Fünf Lehrlinge in fünf Einrichtungen in Niederösterreich haben im November eine Lehre zur Pflege(fach)assistenz begonnen. „Qualifizierte Mitarbeiter zu finden, gehört nicht nur für die Wirtschaft zu den großen Herausforderungen, sondern auch für den Gesundheitsbereich. Die neuen Lehrberufe sind ein weiterer wichtiger Schritt, um den Pflegebereich hier langfristig zu stärken“, betonen LR Christiane Teschl-Hofmeister und Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer NÖ, beim Besuch des Pflegehauses St. Louise in Maria Anzbach.

„Meine Mama ist Pflegeassistentin und wir mussten die Urlioma und den Opa zu Hause betreuen. Da habe ich begonnen, mich für den Beruf zu interessieren“, erzählt die 15-jährige Angelina Hager, eine von Österreichs ersten Pflegelehrlingen. Mit November hat sie ihre Lehre im Haus St. Louise in Maria Anzbach (Bezirk St. Pölten-Land) begonnen. „Derzeit helfe ich viel bei der Verpflegung der Bewohner. Und ich unterstütze sie bei den Besuchen von Veranstaltungen. Diese Woche haben wir zusammen Adventgestecke gebastelt“, berichtet die junge Frau.

WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Pflege-Lehrling Angelina Hager, Heim- und Pflegedienstleiterin des Pflegehauses St. Louise Gerlinde Göschelbauer und Jana Bockholdt, Branchensprecherin der NÖ Pflegeeinrichtungen und Geschäftsführerin der Barmherzige Schwestern Pflege GmbH.

Die Ausbildung in den Pflegeassistenzberufen wurde in Österreich bisher nur in schulischer Form mit Praxisanteilen in Pflegeeinrichtungen angeboten. Mit der Lehre zur Pflegeassistenz (drei Jahre) und jener zur Pflegefachassistenz (vier Jahre) hat Niederösterreich nun die Basis geschaffen, den Beruf künftig nach aktuellen Qualitätsstandards auch unmittelbar in den Pflegeeinrichtungen erlernen zu können. Im November haben die ersten Lehrlinge ihre Ausbildung begonnen. „Mit der Pflegelehre schaffen wir eine zusätzliche attraktive Ausbildungsmöglichkeit, die direkt an das Ende der Schulpflicht anschließt“, erklärt Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und betont: „Unsere Pflegekräfte leisten tagtäglich fantastische Arbeit. Mit der Pflegelehre entlasten wir einerseits die aktuell tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und schaffen gleichzeitig die Grundlage, um die hohe pflegerische Qualität für alle Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher langfristig abzusichern.“

Wolfgang Ecker: Mitarbeitermangel betrifft alle Bereiche
„Wir haben uns bereits seit vielen Jahren für diese neuen Lehrberufe eingesetzt, um der aktuellen Entwicklung im Gesundheitsbereich Rechnung zu tragen“, erklärt Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, und ergänzt: „Der Mitarbeitermangel betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Gesundheitsbereich. Hier gilt es, gezielte Maßnahmen auf regionaler Ebene zu setzen. Und genau das geschieht mit den beiden neuen Lehrberufen.“ Die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Niederösterreich sei hier eine wichtige Schnittstelle, „da sie sowohl für die Abwicklung des Lehrlingswesens als auch bei der Pflegelehre zuständig ist.“

Jana Bockholdt: Menschen für diesen tollen, sinnstiftenden Beruf begeistern
Seit 2016 treibt Jana Bockholdt, Branchensprecherin der NÖ Pflegeeinrichtungen und Geschäftsführerin der Barmherzige Schwestern Pflege GmbH, zu der auch das Pflegehaus St. Louise gehört, die Pflegelehre in NÖ voran. „Ich bin sehr froh, dass wir von der Politik die Chance bekommen, in Niederösterreich, als erstes Bundesland im Osten, mit dem Pilot zu starten. Der Lehrberuf Pflege ist eine von vielen Möglichkeiten, Menschen für diesen erfüllenden und sinnstiftenden Beruf zu begeistern, und zwar schon direkt nach Ende der Schulpflicht“, weiß Bockholdt, die selbst aus der Pflege kommt. „Junge Menschen haben so die Chance, den Beruf vor der Haustüre zu lernen, ohne pendeln oder in die Stadt ziehen zu müssen und kleine, regionale Träger erhalten die Möglichkeit, die dringend benötigten Pflegekräfte selbst auszubilden.“

Praxis steht im Fokus
„Jede zusätzliche Pflege- und Betreuungskraft in Niederösterreich ist wichtig, deshalb tragen wir auch diesen Ausbildungsweg mit. Die Praxis wird dabei besonders im Fokus stehen“, betonen Landesrätin Teschl-Hofmeister und WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker. Dabei finden 80 Prozent der Ausbildung im jeweiligen Betrieb statt, während das theoretische Wissen an der Landesberufsschule St. Pölten unter Einbindung der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in St. Pölten vermittelt wird. Die Ausbildung ist dabei so aufgebaut, dass die Lehrlinge bis zum vollendeten 17. Lebensjahr so qualifiziert sind, dass diese ab dann unmittelbar mit den Patientinnen und Patienten arbeiten können. Für qualifizierte Pflegekräfte hat das Land Niederösterreich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Wirtschaftskammer, dem Arbeitsmarktservice und vielen weiteren Stakeholdern das Aus- und Weiterbildungsangebot massiv ausgebaut.

Viele Wege für den Pflegeberuf öffnen
„Wir sollten jungen Menschen, die für den Pflegeberuf geeignet sind, möglichst viele Wege öffnen, in diesen Beruf einzusteigen. Denn so vielfältig wie der Beruf ist, so vielfältig sind die Menschen, die ihn ergreifen wollen“, sind sich Teschl-Hofmeister, Ecker und Bockholdt einig.

Details zur Pflegelehre
Die Lehrausbildung zur Pflegeassistenz wird drei Jahre dauern, die Lehrausbildung zur Pflegefachassistenz vier Jahre. Die Ausbildungsvorschriften werden so aufeinander abgestimmt, dass in den ersten drei Lehrjahren dieselben Inhalte vermittelt werden und beide Berufsbilder in den ersten drei Jahren wechselseitig zur Gänze anrechenbar sind. Es ist daher z.B. möglich, mit der Lehre zur Pflegeassistenz zu beginnen und bei Interesse später in die Lehre zur Pflegefachassistenz umzusteigen. Die beiden Lehrausbildungen in den Pflegeassistenzberufen schließen mit der jeweiligen Lehrabschlussprüfung ab, die auch den Berufszugang zu den entsprechenden Pflegeberufen umfasst. Weiterbildungsinteressierte Fachkräfte können in weiterer Folge z.B. (berufsbegleitend) an der Fachhochschule die Qualifikation der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege erwerben.

www.pflege-lehre.at

Fotocredits: Erich Marschik

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