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In einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag im Landhaus St. Pölten berichteten die Landesräte Ulrike Königsberger-Ludwig und Ludwig Schleritzko über die Ausrollung des Unterstützungsangebotes „Frühe Hilfen“. Das Angebot für Schwangere und Familien mit Kindern von null bis drei Jahren, in Niederösterreich unterstützt von der „Tut Gut!“ Gesundheitsvorsorge und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), ist nun im gesamten Bundesland verfügbar.

„Ziel der Frühen Hilfen ist es, in belastenden Lebenssituationen rasche, bedarfsgerechte, professionelle und niederschwellige Unterstützung zur Verfügung zu stellen“, erklärten die beiden Landesräte. Die Frühen Hilfen richten sich dabei in erster Linie an Schwangere und Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahre, „die sich in belastenden Situationen wie Überforderung, Armut, finanziellen Schwierigkeiten oder auch sozialer Isolation befinden, die vielleicht auch mit psychischen Problemen belastet sind,“ erklärte Schleritzko.

„Die Ausrollung der Frühen Hilfen in ganz Niederösterreich garantiert rasche, bedarfsgerechte, professionelle und niederschwellige Unterstützung für Schwangere und Familien mit Kleinkindern in belastenden Lebenssituationen“, erklärten die Landesräte Königsberger-Ludwig und Schleritzko (Mi. + re.).

Die Unterstützung im Rahmen des Frühe Hilfen Programmes erfolge durch geschulte, multiprofessionelle Familienbegleiterinnen und –begleiter, die „durch Hausbesuche, Hilfe bei administrativen Anliegen oder auch Vermittlung von benötigten Unterstützungsleistungen zur Seite stehen.“ Es gehe aber noch viel weiter, so der Landesrat, nämlich um „Entlastung durch Zuhören, die Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung, die Förderung sozialer Teilhabe und die Vermeidung sprachlicher Defizite“, genauso wie das rechtzeitige Erkennen und Behandeln psychischer und körperlicher Beschwerden oder auch das langfristige Vermeiden chronischer Gesundheitsprobleme.

Die Frühen Hilfen sind in Niederösterreich 2015 als „Netzwerk Familie“, operativ umgesetzt durch „Tut Gut!“, in den Bezirken Krems Stadt und Land gestartet. Es folgten St. Pölten Stadt und Land sowie Tulln. Schleritzko: „Durch eine zusätzliche EU-Finanzierung ab 2022 konnten erste Ausrollungsschritte im Most- und Weinviertel gesetzt und schließlich in den vergangenen Monaten die letzten vier Bezirke im Waldviertel integriert werden.“ Erste Auswertungen des Programmes zeigten, dass „mehr als ein Viertel der Familienbegleitungen schon während der Schwangerschaft beginnt“, mehr als die Hälfte der Kinder seien zu Beginn der Begleitung jünger als ein Jahr. „Für das Team des ,Netzwerk Familie´ arbeiten derzeit elf geschulte Familienbegleiterinnen und drei weitere Mitarbeiterinnen“, so der Landesrat, „seit Projektstart konnten rund 1.100 Familien in den unterschiedlichsten Herausforderungen alleine durch das ,Netzwerk Familie´ unterstützt werden.

Landesrat Ludwig Schleritzko, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, „Tut gut! “-Geschäftsführerin Alexandra Pernsteiner-Kappl und Psychologin und Familienbegleiterin Manuela Büchner.

Die östlichen und südlichen Teile Niederösterreichs werden vom zweiten Netzwerk mit dem Namen „Frühe Hilfen Süd-Ost“ durch die ÖGK betreut, hier sind die Einrichtungen „Möwe“ und „Ananas“ Partner für das Netzwerk Familie Team. Die enorme Wichtigkeit des Frühe Hilfen Angebotes lasse sich auch mit Zahlen gut belegen, so Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig: „2022 wurden von 314.035 Kindern und Jugendlichen (jünger als 18 Jahre) in Niederösterreich 11.155 über die Kinder- und Jugendhilfe betreut.“ Das seien 3,96 Prozent, bei denen die Behörde bereits im Einsatz war, weil eine Kindeswohlgefährdung gemeldet wurde. 88 der genannten Anzahl Kinder und Jugendlicher, die bereits in Pflegefamilien oder diversen Betreuungseinrichtung untergebracht – also aus der Stammfamilie entnommen – waren, seien unter drei Jahren gewesen. „Diese Fälle zeigen, wie wichtig das Angebot der Frühen Hilfen ist“, so die Landesrätin, „das Menschen in besonderen Lebenslagen Hilfe bietet, noch bevor die Behörde tatsächlich tätig werden muss. Denn wir alle wissen, dass es für ein Kind noch immer das Beste ist, in der eigenen Familie aufzuwachsen.“

Königsberger-Ludwig führte weiters aus, es sei gemeinsame Verantwortung und Aufgabe von Gesellschaft und Politik, „allen Kindern ein wohlbehütetes Aufwachsen, Zuwendung und Förderung zu ermöglichen“, genauso wie „die Eltern in ihrer Erziehungs- Bindungs-und Beziehungsfähigkeit zu unterstützen.“ Dies könne nur funktionieren, wenn Mütter und Väter in ihrer Persönlichkeit stabil sind und dafür seien die Frühen Hilfen ein besonders wichtiges Instrument. Die Landesrätin abschließend: „Je früher man hilft, desto besser ist es für ein gesundes Aufwachsen der Kinder und die Stärkung der Eltern, um in weiterer Folge eine Kindeswohlgefährdung zu vermeiden.“

Bei der Presskonferenz kam auch Psychologin Manuela Büchner, Familienbegleiterin beim „Tut Gut!“ Netzwerk Familie, zu Wort. Sie gab einen Einblick in die tägliche Arbeit und erläuterte auch Problemstellungen, mit der die Begleiterinnen und Begleiter in ihrer alltäglichen Arbeit konfrontiert seien, wie zum Beispiel „Mütter und Väter mit psychischen Problemen, ungeplante Schwangerschaften oder auch Familien in finanziellen Notlagen, die Wohnbedarf haben und nicht wissen, an welche Stellen sie sich dabei wenden können.“ Eine Begleitung dauere durchschnittlich etwa ein halbes Jahr, dabei begleiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des multiprofessionellen Teams etwa zwei bis vier Familien pro Tag. Die Dauer richte sich hier jeweils nach der Belastung.

Details zum Betreuungsgebiet von Netzwerk Familie unter www.noetutgut.at/netzwerk-familie und zum Betreuungsgebiet der Frühen Hilfen NÖ Süd-Ost unter www.fruehehilfen.noe.at.

Foto: © NLK Pfeffer

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