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Grillparzer Musik- und Kunstschulcampus entsteht

Bürgermeister Matthias Stadler präsentiert Valerie Ettenauer, Maria Carbo-Fuster und Johanna Koppensteiner das Siegerprojekt für den neuen „Grillparzer Musik- und Kunstschulcampus“ Foto: © Josef Vorlaufer

Der Neubau der Filiale für die Musik- und Kunstschule sowie für die Tagesbetreuung der Grillparzer-Volkschule schafft am Standort Grillparzerstraße 17 ab dem Schuljahr 2023/2024 gänzlich neue Möglichkeiten und Verbindungen: Das Siegerprojekt von Pfaffenbichler Architektur (Architekt DI Gerhard Mirth) setzt einen architektonisch spannenden Akzent und lässt den „Grillparzer Musik- und Kunstschulcampus“ entstehen.

Bürgermeister Matthias Stadler präsentiert Valerie Ettenauer, Maria Carbo-Fuster und Johanna Koppensteiner das Siegerprojekt für den neuen „Grillparzer Musik- und Kunstschulcampus“ Foto: © Josef Vorlaufer

Der neue Schulcampus umfasst die Grillparzer Volksschule mit 14 Klassen, einen zweigruppigen Landeskindergarten und die Musik- und Kunstschule mit mehr als 2.000 SchülerInnen. Die Musik- und Kunstschule wird künftig an 16 Standorten in St. Pölten geführt, die drei größten Gebäude werden sich am „Grillparzer Musik- und Kunstschulcampus“ befinden und beinhalten mehr als 50 Unterrichtsräume. In der neuen Filiale werden vor allem größere Räume, die im bisherigen Raumkonzept gefehlt haben, entstehen und somit die aktuell prekäre Raumsituation aufgrund der stetig wachsenden Schülerzahl lösen.

Mehr Sicherheit durch Verkehrsberuhigung
Der zentrale Bereich zwischen der Grillparzer-Volksschule und dem Neubau wird verkehrsberuhigt und ermöglicht mit der neuen baulichen Verbindung zur Musik- und Kunstschulfiliale im Franz Pichler Volkshaus (ehemaliges „Forumkino“) den SchülerInnen ein sicheres Wechseln zwischen den Gebäuden. Die unmittelbare Anbindung an den Südpark mit dem Hauptstandort der Musik- und Kunstschule, der ehemaligen Voith-Villa, umfasst gemäß dem grünraumtypologischen Konzept der innerstädtischen Achse auch eine großzügige Parkanlage, die übrigens zu den letzten öffentlich zugängigen Jugendstil-Parkanlagen Europas gehört.

St. Pölten 2024 als Motor
Die Bewerbung der Stadt gemeinsam mit dem Land um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2024 hat das Fundament und den Rahmen für die Weiterentwicklung St. Pöltens als zukunftsweisende, lebenswerte Mittelstadt gelegt. Bildung, Kunst und Kultur kommen innerhalb dieses Prozesses eine Schlüsselrolle zu. Sie zeigen die Vielschichtigkeit einer Gesellschaft auf und stärken das Zusammenleben unterschiedlicher Interessengruppen. „Im Hinblick auf den Kulturschwerpunkt 2024 und das entstehende KinderKunstLabors werden mit der Musik- und Kunstschule neue Möglichkeiten und Wirklichkeiten geschaffen, die in Europa ein Alleinstellungsmerkmal darstellen. Neue Modelle der elementaren Kunsterziehung vor allem im Bereich der zeitgenössischen Kunst werden zukünftig in St. Pölten Einzug finden“, so Bürgermeister Matthias Stadler. Die Netto-Errichtungskosten betragen 6 Millionen Euro.

Neue Möglichkeiten, neue Wirklichkeiten
Die Musikschule St. Pölten zählt zu den ältesten Österreichs. Die 1837 gegründete Gesang- und Musikschule des Musikvereins St. Pölten wurde 1961 von der Stadt übernommen. Von bescheidenen Anfängen mit 88 SchülerInnen und 6 LehrerInnen entwickelte sie sich zur größten Musik- und Kunstschule in Niederösterreich mit über 2.000 SchülerInnen und mehr als 90 Musik- und KunstpädagogInnen.

Bereits mit der Initiierung von vier Pilotstandorten der Musik- und Kunstschule im Jahr 2015 eröffnete das Land Niederösterreich neue Wege: Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen Musik und die mit ihr in Verbindung stehenden Künste. Am Standort werden neben der musikalischen Ausbildung Akademien in den Bereichen Malen, Schauspiel, Musical, Fotografie, Film, Schreiben und Produktdesign (Kooperation mit der NDU St. Pölten) geführt.

Die Grillparzer Volkschule und die Musik- und Kunstschule St. Pölten kooperieren vor allem im Rahmen des Modells der Kreativklasse, das in einem vierjährigen Konzept die Bereiche Schauspiel, Fotografie, Schreiben und Musik in den Regelschulalltag einfließen lässt.

„Wir freuen uns die kreative Entwicklung junger Menschen unterstützen zu dürfen. Die interdisziplinäre Ausbildung an unseren Schulen und Kindergärten sowie dem Kinderkunstlabor wird in den kommenden Jahren einen besonderen Stellenwert einnehmen. Mit der Verbindung der Institutionen Kindergarten, Volksschule, Kinderkunstlabor und Musik- und Kunstschule werden in St. Pölten neue Möglichkeiten und Wirklichkeiten geschaffen“, freut sich Alfred Kellner, Leiter des Geschäftsbereiches Kultur und Bildung.

Vom evangelischen Waisenhaus zum modernen Campus
Am südlichen Ende der Maria-Theresia-Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein groß angelegtes Bauprojekt geplant, dass allerdings nur äußerst rudimentär ausgeführt wurde. Ab 1897 sollte eine Evangelische Waisen-Versorgungs-Anstalt errichtet werden. Von diesem Projekt wurde nur ein kleiner Teil verwirklicht – das Pförtnerhäuschen und das Stiegenhaus-Risalit des zentralen mittleren Baus. So war die Evangelische Waisen-Versorgungs-Anstalt von Beginn an ein Rumpfgebäude – nach 1914 kamen keine weiteren Bauteile zur Ausführung. Der verbliebene Gebäudeteil wurde nach eingehender Prüfung vom Bundesdenkmalamt als nicht schutzwürdig eingestuft.

Ab dem Jahr 1960 findet die Kinderbetreuung in Form einer eingruppigen Hortbetreuung (Grillparzer Hort) statt. Der eingruppige Betrieb wurde in den 80er Jahren auf zwei Gruppen erweitert und schließlich wurde mit Beginn des Schuljahres 1999/2000 der Kinderhort von der Maria-Theresia Villa in das Gebäude Grillparzerstraße 17 verlegt und ebenfalls auf zwei Gruppen erweitert. Mit Beginn des Schuljahres 2015/16 wurden die Hortgenehmigungen für die beiden Betreuungseinrichtungen Hort Maria Theresia und Hort Grillparzer mit insgesamt vier Betreuungsgruppen stillgelegt und die behördliche Genehmigung für den Betrieb einer schulischen Tagesbetreuung erwirkt.

Aktuell werden insgesamt fünf Gruppen schulische Tagesbetreuung mit insgesamt 130 Kindern betrieben. „Nunmehr stellt sich das Gebäude durch die jahrzehntelange Nutzung in einem sehr schlechten baulichen und Allgemeinzustand dar, sodass die Betreuung der Schulkinder nicht mehr zeitgemäß und den aktuellen modernen Anforderungen für Schulische Tagesbetreuung mit entsprechend großen Gruppen- und Freizeitbereichen durchgeführt werden kann. Die schulische Tagesbetreuung am Standort wird zudem sehr gut angenommen, sodass wir bereits eine sechste Gruppe planen können. Ein Neubau stellt somit eine neue Chance für eine moderne, zeitgemäße und pädagogisch wertvolle Betreuung der Schulkinder der VS Grillparzer im Rahmen der schulischen Tagesbetreuung dar“, so Schulamtsleiter Andreas Schmidt.

Der Architekturwettbewerb und die Aufgabenstellung
In Abstimmung mit der Abteilung Kultur und Bildung wurde eine Studie erstellt und die funktionalen Erfordernisse, wie auch der erforderliche Flächenbedarf erhoben, sowie Sanierungs- und Neubauvarianten gegenübergestellt und bewertet. Auf der Grundlage der Ergebnisse hat der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 23.11.2020 beschlossen, die Immobilien St. Pölten GesmbH & Co KG mit der Durchführung eines Architektur-Wettbewerbs zu beauftragen. Die Bestandsgebäude sollen demzufolge abgebrochen und die erhobenen und geprüften Bedarfsflächen für beide Einrichtungen am selben Standort neu errichten werden. Neben dieser Bauaufgabe war auch die Neugestaltung der Grillparzerstraße im Bereich zwischen Grillparzer Volksschule und dem Planungsgrundstück Teil der Aufgabenstellung.

Der Bereich zwischen der Grillparzer-Volksschule und dem „Neubau der Musik- und Kunstschule und der Tagesbetreuung St. Pölten“ soll verkehrsberuhigt und die Oberflächen so gestaltet werden, dass ein Wechseln zwischen den beiden Standorten künftig noch sicherer gewährleistet werden kann und die Aufenthaltsqualität im Bereich des künftigen campusartigen Quartiers deutlich erhöht werden.

Siegerprojekt: Polygonale Bauskulptur wird kommunikativer Mittelpunkt
Das Preisgericht setzte sich wie folgt zusammen: Univ.-Doz. Architekt Dipl.-Ing. Franz Sam (Vorsitz), Architekt Dipl.-Ing. Ernst Beneder (stellvertretender Vorsitz und Mitglied des Gestaltungsbeirats), Dipl.-Ing. Wolfgang Lengauer (Baudirektor St. Pölten), Mag. Alfred Kellner PhD (Kulturamtsleiter St. Pölten), Andrea Wiener (Raumplanerin, Stadtplanung St. Pölten) sowie Lic.iur. Andreas Schmidt, MBA MPA akad. VM (Leiter der Abteilung Schulen und Kindergärten St. Pölten) als beratendes Mitglied.

Dem Projekt des Wettbewerbsgewinners Architekt Dipl.-Ing. Gerhard Mirth vom Büro Arch. DI Paul Pfaffenbichler ZT GmbH gelang es nach Ansicht des Preisgerichts durch eine freie bauplastische Interpretation der städtebaulichen Situation die den Ort – und damit den „Campus“ der Musikschule – prägenden Elemente und Bestandsobjekte zu einem ganzheitlich erfassbaren Ensemble zusammenzuführen.

Dies ist insbesondere der Erweiterung der Platzsituation an der Kreuzung und den in die oberen Ebenen weitergeführten öffentlichen und halböffentlichen Raum geschuldet, der sowohl aus dem Straßenraum wie auch aus den Inneren erlebbar ist. Die beiden Nutzungen verschränken sich über eine topografisch gestaffelte, sich in die Höhe entwickelten Aula mit vielfältig inspirierenden räumlichen Situationen. Die Synergie ist damit nicht nur im architektonischen Erlebnis, sondern auch in der gemeinsamen Nutzung naheliegend.

Sitzstufen eröffnen neue Möglichkeiten
Insbesondere wird die mit Sitzstufen ausgestattete vielfältig bespielbare Freitreppe zum Platz geschätzt, ebenso wie die räumlich differenziert gestaltete Aneinanderreihung der Gruppenräume, die Ausbildung der Verbindungsmöglichkeit zum Forumkino, wie auch der südseitig gelegene zweite Eingang.
„Die aus der funktionalen Topografie hergeleitete Bauskulptur kann in ihrer formal freien Gestalt den stringenten und der damals geläufigen Stilarchitektur verpflichteten Bestandsbauwerken ein lebensnahes zeitgenössisches Bauwerk zur Seite stellen, das buchstäblich zum kommunikativen Mittelpunkt der gesamten Anlage wird“, erklärt Jury-Vorsitzender Univ.-Doz. Architekt Dipl.-Ing. Franz Sam die einstimmige Entscheidung.

Innerhalb des überzeugenden räumlichen Konzeptes sind auf der Grundidee der raumbildenden Parameter vielfältige Nutzungsvarianten vorstellbar, die gemeinsam mit den Nutzern noch zu präzisieren sind. Die Materialisierung und Ausformung im Detail können in der Reduktion auf Wesentliches dieses Konzept noch stärken und dem robusten Anspruch, der mit einer schulischen Nutzung einhergeht, entsprechen. „Das neue Gebäude des „Grillparzer Musik- und Kunstschulcampus“ verbindet polygonale Räume, verschiedene Ebenen und deren fließende Übergänge sowie ein zentrales Patio zu einem einladenden offenen Raumkonzept, das neue Formen der (Kunst-)Pädagogik und Didaktik ermöglichen wird. Die Materialkombination aus Beton, Glas und Holz verknüpft ansprechende Formen mit moderner Architektur. Die Raumanordnung und die daraus resultierende Möglichkeit der Nutzung von drei Bühnen unterstreicht die hohe Funktionalität. Die interdisziplinäre Ausbildung wird vor allem in diesem Gebäude in Verbindung mit den angrenzenden Schulen und Kindergärten am Campus einen besonderen Stellenwert einnehmen und besondere Möglichkeiten eröffnen“, so Architekt Franz Sam.

 

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