Anzeige

„Wie steht es um Niederösterreich?“, so lautete die zentrale Fragestellung beim Industrietag der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer NÖ. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und Spartenobmann Industrie NÖ Helmut Schwarzl diskutierten in Korneuburg mit IHS-Direktor Holger Bonin, dem Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky und zahlreichen Industrievertretern, wie es um Niederösterreich steht und an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Österreich sowie Europa zu erhalten.

Hochkarätig besetzt war der Industrietag 2023 in Korneuburg. – v.l. IHS-Direktor Holger Bonin, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky und Spartenobmann Industrie NÖ Helmut Schwarzl.

Das „Ideen Zentrum“ der Franz Blaha Sitz- und Büromöbel Industrie GmbH in Korneuburg war der passende Ort, um die Zukunft der Industrie in Niederösterreich zu beleuchten. Es wurden aber auch aktuelle Probleme klar und offen angesprochen, bei denen es einer raschen Lösung bedarf. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und Spartenobmann Industrie NÖ Helmut Schwarzl schlagen dabei in dieselbe Kerbe: „Die Standortbedingungen müssen im internationalen Vergleich passen, um die Produktion im Land zu halten und einer Abwanderung entgegenzuwirken.“

Mikl-Leitner: „Wir brauchen Anreize, damit sich Leistung in Österreich wieder mehr lohnt“
„Unsere Landsleute verfügen über die höchste Kaufkraft und die höchsten Haushaltseinkommen aller Bundesländer. Das ist auch ein Verdienst der Industriebetriebe, die für rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung Niederösterreichs verantwortlich sind und viele gut bezahlte Jobs sichern. Mit neuen Auflagen und Verboten kommen wir aber nicht aus dem Konjunkturtief, sondern mit besseren Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Wir werden hier nicht lockerlassen, weil die Betriebe für den Wohlstand unserer Landsleute unverzichtbar sind. Und wir müssen die standortschädliche Diskussion über die 32-Stunden-Woche endlich beenden: Das ist ein Konzept zur reinen Wohlstandsvernichtung. Als Wirtschaftsstandort würde uns das von der Landkarte radieren.“

Darüber hinaus betonte die Landeshauptfrau: „Wir brauchen mehr Anreize, damit sich Leistung in Österreich wieder mehr lohnt. Wir müssen sicherstellen, dass jene, die mehr anpacken als andere, das auch in ihrer Geldbörse spüren: Wenn Pensionistinnen und Pensionisten arbeiten wollen, sollen sie keinen Pensionsbeitrag mehr zahlen müssen. Insgesamt beträgt dieser knapp 23 Prozent vom Bruttogehalt. Die Abschaffung wäre daher eine spürbare Entlastung für unsere Pensionisten, die weiterhin anpacken wollen und ein wichtiger Impuls für die Wirtschaft, die weiterhin händeringend Arbeitskräfte sucht.“

Ecker: „Zukunft des Wohlstands ist in 32 Wochenstunden nicht zu schaffen“
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker sieht nicht nur den Arbeitsmarkt im Wandel und streicht in Zeiten der zahlreichen Herausforderungen, wie dem Fachkräftemangel, das Gemeinsame hervor: „Fachkräfte werden wir auch in Zukunft dringend brauchen und da müssen wir gemeinsam an vielen Stellschrauben drehen. Der Gedanke, dass Arbeit ein fixer Bestandteil des Lebens ist, der Freude macht und Sinn gibt, kommt mir in unserer Gesellschaft immer mehr zu kurz. Eines ist klar, die Zukunft des Wohlstands ist in 32 Wochenstunden nicht zu schaffen. Leistung darf und muss erlaubt sein in unserem Land.“ Positiv stimmt Ecker das Unternehmertum in Niederösterreich: „Ich schaue mit Optimismus in die Zukunft. Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer haben immer wieder bewiesen, dass sie Herausforderungen mit viel Innovationskraft und Kreativität begegnen. Denn wir Unternehmer suchen immer nach einer Lösung, immer nach einem Weg.“

Schwarzl: „Wichtigstes Kapital sind unsere hochqualifizierten Fachkräfte“
„Die Zahlen und Indikatoren zeigen derzeit ein eher ein düsteres Bild. So sind die Auftragseingänge in der heimischen Industrie im ersten Halbjahr 2023 deutlich zurückgegangen. Die abgesetzte Produktion in der heimischen Industrie ist im ersten Halbjahr 2023 um ein Zehntel im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr zurückgegangen“, weiß Spartenobmann Helmut Schwarzl. Wie zentral die Rolle der Industrie für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich ist, belegen die Zahlen: Die rund 1.000 blau-gelben Industriebetriebe sorgen mit ihren 80.000 direkten und 300.000 indirekten Beschäftigten für die Hälfte der gesamten Wertschöpfung in Niederösterreich. Knapp ein Fünftel aller Lehrlinge werden in einem Industriebetrieb ausgebildet.

Aktuell sieht Schwarzl in der Standortabsicherung die zentrale Aufgabe: „Gemeinsam mit einer klugen Balance aus Innovation, Forschung und Entwicklung in heimischen Betrieben treiben wir die Transformation voran. Wenn Produktionsstandorte erst einmal verschwinden, kehren sie nicht so leicht zurück. In enger Zusammenarbeit mit dem Land setzen wir uns entschlossen für die Weiterentwicklung von Energiethemen ein. Es braucht einen Ausbau der Stromnetze und weitere Förderungen bei der Umstellung auf alternative Energieträger. Das wichtigste Kapital in unserem Land sind dabei unsere hochqualifizierten Fachkräfte. Wir setzen weiter auf die konsequente Attraktivität der Lehre und möchten junge Menschen nachhaltig für technische Berufe begeistern.”

Jánszky: „Technologien der Zukunft in die Unternehmensprozesse integrieren“
Sven Gábor Jánszky inspirierte die zahlreich anwesenden Industrievertreter mit seinem Blick in die Zukunft und machte dabei Mut: „Die Menschheit wird die großen Herausforderungen der Zukunft lösen.“ Die Unternehmen müssen sich nach Sicht des Zukunftsforschers mit den Technologien der Zukunft auseinandersetzen und diese aktiv in die Unternehmensprozesse integrieren. Zu den Bereichen mit den größten Erfolgsaussichten für Europa zählen für Jánszky neben der Künstlichen Intelligenz, der Einsatz von Quantencomputern und Green Technology. Beim wichtigen Thema Daten gibt er den Unternehmen mit auf den Weg: „Konzentrieren Sie sich auf die Analyse von Echtzeit-Daten und nicht auf statische Daten.“

Bonin: Stärkung einer nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit
IHS-Chef Holger Bonin sieht in der Stärkung einer nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit das Gebot der Stunde. Dafür braucht es laut Bonin Anreize bei Investitionen und vor allem Vertrauen in den Wirtschaftsstandort. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, ist eine leistungsfähige Infrastruktur (z.B. Glasfaser), die strategische Stärkung von Schlüsselbereichen und gezielter Transfer von der Forschung in die Praxis nötig.

Mehr Informationen zur Industrie in NÖ unter wko.at/industrie

Foto: © Johannes Ehn

Anzeige