Anzeige

Warum werden Lebensmittel quer über den Kontinent transportiert? Und warum müssen alle Lebensmittel das ganze Jahr über verfügbar sein? Das fragen sich nicht nur die heimischen Bäuerinnen und Bauern sowie die Konsument:innen, sondern auch immer mehr Küchenchefs. Die Landwirtschaftskammer NÖ liefert auf diese Fragen regionale Antworten – und zwar mit der Initiative JA ZU NAH, im Rahmen derer nun eine rechtliche Toolbox für die Beschaffung regionaler Lebensmittel in Großküchen entwickelt wurde. Dieser Leitfaden soll dazu beitragen, den Anteil an Lebensmitteln aus der Region in Großküchen zu erhöhen.

In Österreich werden täglich rund 2,2 Mio. Essen in Großküchen und Kantinen konsumiert. Das ist rund ein Viertel der Bevölkerung, das zumindest einmal pro Tag dort verpflegt wird. Die Bedeutung und damit der Anteil der Verpflegung in Großküchen wird noch weiter zunehmen, da von einer steigenden Arbeitsquote auszugehen ist. Derzeit erfolgt die öffentliche Beschaffung zum überwiegenden Teil über österreichweit oder gar europaweit tätige Großhändler mit einem oft sehr eingeschränkten regionalen Sortiment. Mit der Lückenschlussverordnung und der ab 1. September geltenden Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung ist bereits ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Regionalität gelungen. Landesrat Ludwig Schleritzko freut sich über die gemeinsame Initiative und hält fest: „Gerade als öffentlicher Auftraggeber wollen wir als Land Niederösterreich die regionale und somit nachhaltige Beschaffung von Lebensmitteln noch weiter in den Vordergrund rücken. Wir werden den Beschaffungsprozess unserer Großküchen weiterentwickeln. Dafür müssen wir sowohl unsere Bäuerinnen und Bauern, als auch die Beschaffer Seite bestmöglich miteinander vernetzen und die besten Rahmenbedingungen für den regionalen Verkauf und auch Einkauf bieten.“

Landesrat Ludwig Schleritzko, Rechtsanwältin Lisa Rebisant, RLK-Geschäftsführerin Elfriede Schaffer und Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager

Johannes Schmuckenschlager, Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ, sieht großes Potential in der öffentlichen Beschaffung: „Wenn wir den Anteil an österreichischen Lebensmitteln in den Großküchen um 10 Prozent erhöhen, werden dadurch 500 landwirtschaftliche Betriebe abgesichert.“ Mit der Initiative JA ZU NAH – unter dem Dach der „Regionalen Lebensmittelkooperationen GmbH“ (kurz RLK) – baut die Kammer einen neuen Absatzweg für die heimischen Bäuerinnen und Bauern zu den Großküchen auf. JA ZU NAH ist ein digitaler Lebensmittel-Marktplatz, mit dem Großküchenleiter:innen regionale und saisonale Produkte verschiedener bäuerlicher Betriebe aus der Region zusammengefasst beziehen können. Eine wichtige Rolle, die Regionalität in diesem Bereich zu steigern, kommt öffentlichen Auftraggebern zu, die Großküchen betreiben. Um die regionale Beschaffung direkt von den bäuerlichen Familienbetrieben für öffentliche Auftraggeber attraktiver zu machen und insbesondere zu erleichtern, hat die Landwirtschaftskammer NÖ daher die Erarbeitung einer rechtlichen Toolbox für die Beschaffung regionaler Lebensmittel in Großküchen initiiert.

Rechtliche Toolbox für öffentliche Beschaffung
Der Leitfaden soll dazu beitragen, den Anteil an Lebensmitteln aus der Region in Großküchen zu erhöhen. „In der Landwirtschaftskammer beschäftigen wir uns schon längst mit neuen Möglichkeiten der Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten. Wir wissen, dass nicht nur Endverbraucher, sondern auch Großküchen einen zunehmenden Bedarf an gesichert regionalen Lebensmittel haben. Allerdings sind deren Anforderungen beim Einkauf völlig andere als von Privathaushalten“, betont Schmuckenschlager und sagt weiter: „Mit der rechtlichen Toolbox haben wir einen Mosaikstein mehr in der Hand, um einen Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Großküchen zu schaffen und damit gemeinsam regionale Versorgungssicherheit, Krisenvorsorge und Klimaschutz weiter zu fördern.“ Die Geschäftsführerin der Regionalen Lebensmittelkooperationen GmbH“ (kurz RLK) Elfriede Schaffer erklärt: „Für die Bäuerinnen und Bauern entstehen damit neue, langfristige Absatzmöglichkeiten mit mehr Wertschöpfung, Großküchen beziehen transparente, klimafreundliche Lebensmittel aus der Region. Das ist eine Win-Win-Situation für alle – für die Landwirtschaft, die Großküchen und deren Kundschaft. Rechtsanwältin Lisa Rebisant von der Schiefer Rechtsanwälte GmbH betont: „Öffentliche Auftraggeber, die Beschaffungsvorgänge nach den Bestimmungen des Bundesvergabegesetzes abwickeln, können öffentliche Ausschreibungen gezielt einsetzen, um den Anteil regionaler Lebensmittel in Großküchen zu erhöhen. Insbesondere kann durch die entsprechende Gestaltung von Eignungs- und Zuschlagskriterien ein bedeutender Einfluss auf die Einbeziehung diverser Regionalitätsaspekte bei der Vergabe von Lieferaufträgen für Großküchen genommen werden.

Foto: © LK NÖ/Philipp Monihart

Anzeige