Alessandro Hämmerle krönt sich zum Doppel-Olympiasieger, während der Niederösterreicher Jakob Dusek in einem dramatischen Herzschlagfinale zu Bronze rast.
Die kalte Bergluft im Snowpark von Livigno vibriert vor Anspannung, als die vier besten Snowboardcrosser der Welt in die Startboxen steigen. Es ist dieser eine Moment, für den sie jahrelang trainiert haben, und mittendrin schreiben zwei Österreicher ein Stück Sportgeschichte, das an Dramatik kaum zu überbieten ist. Alessandro „Izzi“ Hämmerle und der Niederösterreicher Jakob „Jacky“ Dusek haben sich durch ein Wechselbad der Gefühle gekämpft, um am Ende gemeinsam auf dem olympischen Podium zu stehen. Für Hämmerle ist es die triumphale Verteidigung seines Throns, für Dusek die Belohnung für eine nervenstarke Aufholjagd, die ihn aus dem Schatten der Favoriten direkt ins Rampenlicht katapultierte.

Dabei stand das Schicksal für den Vorarlberger Hämmerle am Morgen noch auf Messers Schneide. Geschwächt von einer Krankheit, schleppte er sich an den Start, geplagt von Zweifeln, ob der Körper der extremen Belastung dieses kräftezehrenden Kurses standhalten würde. Doch im Achtelfinale war von der Müdigkeit nichts mehr zu spüren. „Izzi“ dominierte die Konkurrenz nach Belieben, taktete seine Läufe klug und lauerte im Windschatten der Konkurrenz, bevor er im Halbfinale das erste Mal alles riskieren musste. Erst das Fotofinish gab den Ausschlag – ein Wimpernschlag, der ihn ins große Finale hievte und Erinnerungen an seinen hauchdünnen Sieg in Peking wachkitzelte.
Doch er war nicht allein auf dieser Mission. Jakob Dusek, das Kraftpaket aus Niederösterreich, bewies an diesem Tag, warum er zur Weltspitze gehört. Dusek, der im Laufe des Wettbewerbs eine beeindruckende Steigerung hinlegte, musste im Semifinale ebenso hart um sein Überleben im Turnier kämpfen. Auch bei ihm entschied die Technik über das Weiterkommen, doch einmal im Finale angekommen, kannte der Niederösterreicher kein Halten mehr. Während Hämmerle an der Spitze das Duell mit dem kanadischen Dauerrivalen Eliot Grondin suchte, lauerte Dusek zunächst an vierter Position. Die Startsektion hatte ihn wertvolle Meter gekostet, doch „Jacky“ blieb eiskalt. Mit einer Präzision, die nur aus jahrelanger Erfahrung und unbändigem Willen resultiert, suchte er sich die Lücken in der Ideallinie.
Im alles entscheidenden „Finale furioso“ spielten beide Österreicher ihre Klasse auf den letzten Metern aus. Hämmerle zündete den Turbo und fing Grondin erneut auf der Ziellinie ab, während Dusek mit perfektem Timing an der Konkurrenz vorbeizog und sich den dritten Platz sicherte. Für den Niederösterreicher ist diese Bronzemedaille mehr als nur Edelmetall; sie ist das Ende eines Fluchs, der das Team oft auf dem undankbaren vierten Platz zurückgelassen hatte. Gemeinsam fielen sie sich im Zielraum in den Schnee, überwältigt von der Realität, dass sie als Team das Unmögliche wahrgemacht hatten. Während Hämmerle ungläubig über sein „surreales“ Doppel-Gold sprach, bedankte sich ein sichtlich gerührter Dusek bei den Trainern und Fans, die diesen historischen Doppelsieg erst möglich gemacht hatten.