Schärding. Von Montag, 2. Februar bis Mittwoch, 4. Februar 2026 fand in der Bildungseinrichtung der BG/BRG/BORG in Schärding ein Zeitzeugenprojekt statt. Erzählt wurde die Geschichte von Hermine Liska, die als anerkannte Zeitzeugin der ersten Generation 26 Jahre in Hunderten Schulen unterwegs war, ehe sie 2024 im 95. Lebensjahr verstarb. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (heute Bildung, Wissenschaft und Forschung, Anm.) entstand eine DVD mit dem Titel „Erziehungsproblem eines Diktators.“ Mit diesem Film ist es der Referentin des Vereins Lila Winkel, Esther Dürnberger, möglich, die Geschichte von Hermine Liska, die auch Trägerin des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich war, authentisch nachzuerzählen.
Die 49 Schüler*innen bekamen einen Einblick in eine Zeit, in der für Andersdenkende kein Platz war und die Religionsfreiheit eingegrenzt wurde. Menschenwürde war ein Fremdwort und Ausgrenzung an der Tagesordnung. Hermine verweigerte mit 11 Jahren den deutschen Gruß, das Singen patriotischer Lieder und den Fahnengruß. Sie gehörte, wie ihre Eltern den Bibelforschern an (wie Zeugen Jehovas damals genannt wurden) und konnte aus biblischer Überzeugung Hitler nicht als Führer anerkennen. Daran änderte auch die Unterbringung in einem Umerziehungsheim nichts.
Besonders angetan war die Klasse von der Standhaftigkeit der jungen Hermine. Man wollte sie zwingen, die Hand zu heben, die Jacke der Hitlerjugend anzuziehen, und verweigerte ihr trotz guter Schulnoten den Besuch der Hauptschule. Sie erhielt die schlechteste Betragensnote, durfte beim Völkerball nicht mitspielen und bekam am Sonntag keine Nachspeise, den beliebten Pudding. Auch jahrelanger Spott und Ausgrenzung änderten nichts an ihrer Überzeugung. „Heil Hitler“ kam er nicht über die Lippen. Nie dachte sie an Rache und bewahrte sich ihr ganzes Leben lang eine positive Einstellung. Ihre Ausstrahlung und ihr gewinnendes Lächeln überzeugten sogar von der Leinwand.
Die Geschichte der 11-jährigen Hermine ging zu Herzen. Die Schüler*innen hatten auch die Möglichkeit, sich in das Buch der Erinnerung einzutragen.
Gleich vier Schülerinnen waren auch für ein kurzes Interview bereit und beschrieben ihre Eindrücke so:
Aylin: „Die Geschichte von Hermine war echt spannend. Ich habe größten Respekt vor ihrer Standhaftigkeit. Beeindruckt hat mich auch ihr Vater, der trotz Druck und Benachteiligung seine Überzeugung nicht abschwor und nicht auf Menschen schießen wollte.“
Sarah: „Es ist schon als Erwachsener schwierig, standhaft zu sein. Ernst recht als 11-jähriges Mädchen, dass jahrelang völlig allein im Umerziehungsheim zu ihrer Überzeugung stand und die Hand zum Hitlergruß nicht hob. Beeindruckt hat mich auch die Mutter, die alle Kinder gleich behandelte – auch den Peppi, der auf Kreta als Soldat stationiert war und den Glauben der Familie nicht teilte.“
Laura-Sophie: „Es ist berührend, hinter die Kulissen zu blicken. Hermine war echt stark und hat sich nicht an Mobbing beteiligt, auch wenn sie von anderen Kindern dazu aufgefordert wurde. Jeder sollte sich mit dem Thema Ausgrenzung und Menschenrechte auseinandersetzen und sich ernsthaft fragen: Wie gehe ich damit um?“
Serrah: „Ich bin dankbar, dass Hermine diese Zeit überlebt hat und viele Jahrzehnte ihre Geschichte den nächsten Generationen erzählte. Sie hat Mobbing am eignen Leib erlebt, so wie ich.
Für mich ist das Gefühl, nicht dazuzugehören, das schlimmste Gefühl der Welt. Hermine hat mir gezeigt, dass Mobbing nie eine Lösung ist. Und wer Mobbing beobachtet und nichts dagegen tun, wird selbst zum Mittäter.“
Das Zeitzeugenprojekt endete mit dem Satz: „Wenn alle Menschen, wie Hermine Liska, nach der Goldenen Regel Behandelt andere immer so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet (Zitat aus der Bergpredigt Jesu im Matthäusevangelium, Anm.) leben würden, wäre die Welt eine andere.“
An diesen Vorsatz erinnert ein Plakat in der Aula der Bildungseinrichtung der BG/BRG/BORG in Schärding mit der Aufschrift: „Tue anderen, was du willst, dass sie dir tun.“

Fotos: © FMZ
Franz Michael Zagler
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