Start Lifestyle Kunst & Kultur Sommerspiele Melk: Big Brother im Party-Modus

Sommerspiele Melk: Big Brother im Party-Modus

Ministerium der Wahrheit. Foto: © Daniela Matejschek

In der Wachauarena Melk kündigt sich für den kommenden Sommer ein theatrales Ereignis an, das die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lässt. Am 17. Juni 2026 feiern die Sommerspiele Melk die Premiere von „Das Ministerium der Wahrheit“, einem Auftragswerk des Autors Jérôme Junod. Basierend auf George Orwells dystopischem Klassiker „1984“, entwirft die Inszenierung ein Szenario, das erschreckend aktuell wirkt und den Fokus auf die manipulative Kraft von Desinformation und totaler Überwachung legt.

Die Welt, die Regisseur Alexander Hauer auf die Bühne bringt, ist jedoch keine düstere Trümmerlandschaft, sondern eine der verordneten Heiterkeit. Das System hält seine Bürger mit einer Fassade aus Wohlfühl-Ambiente und staatlich organisierten Grillabenden bei Laune. Es ist eine Gesellschaft, die sich in einer perfekt inszenierten Scheinwelt eingerichtet hat, gesteuert durch ein allgegenwärtiges Netz aus Information und Unterhaltung. Die Rebellion beginnt in diesem Stück nicht mit einem lauten Knall, sondern mit einer technischen Störung: Eine Bürgerin verliert den Anschluss an ihr Empfangsgerät und beginnt dadurch, die allumfassende Kontrolle und die allgegenwärtigen Fake News zu hinterfragen.

Ministerium der Wahrheit. Foto: © Daniela Matejschek

Besonders spannend ist die Abkehr von der rein pessimistischen Sichtweise des Originals. Die Melker Produktion rückt eine weibliche Perspektive in das Zentrum und bevölkert das Ministerium mit ambivalenten Charakteren, bei denen die Grenzen zwischen Täterschaft und Widerstand verschwimmen. Trotz der bedrückenden Thematik der Wissenschaftsspepsis und der „Gläsernen Gesellschaft“ sucht die Inszenierung nach Funken der Hoffnung. Regisseur Alexander Hauer zieht dabei Parallelen zum geschichtlichen Wendepunkt von 1989, um aufzuzeigen, dass zivilgesellschaftliches Engagement selbst unterdrückende Systeme ins Wanken bringen kann.

Visuell verspricht der Abend eine faszinierende Ästhetik zwischen 80er-Jahre-Futurismus und urbaner Kühle. Das Bühnenbild von Renato Sobotta verwandelt die Arena in eine moderne Treppenlandschaft, die wie ein architektonischer Irrgarten vor der Kulisse des Stifts Melk wirkt. Die Kostüme unterstreichen mit ihrer farblosen Noblesse die subtile Uniformität einer Masse, die ihre Individualität längst aufgegeben hat. Akustisch wird das Geschehen durch ein ungewöhnliches Klangkonzept von Jakob Kammerer begleitet, das ausschließlich auf A-cappella-Gesang und Schlagwerk setzt und vom Konzertchor Niederösterreich unterstützt wird.

Das hochkarätig besetzte Ensemble, darunter bekannte Gesichter wie Aaron Karl, Doris Hindinger und Thomas Frank, bettet sich zudem in einen größeren kulturellen Kontext ein. Durch die Kooperation mit der Schallaburg, die zeitgleich eine Ausstellung über die 1980er Jahre zeigt, werden die Sommerspiele 2026 zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit einem Jahrzehnt der Umbrüche. „Das Ministerium der Wahrheit“ verspricht somit nicht nur spannendes Theater, sondern eine tiefgreifende Analyse der Frage, wie viel Freiheit wir bereit sind, für eine vermeintlich perfekte Sicherheit zu opfern.

INFOS & KARTEN

Wachau Kultur Melk GmbH, Jakob-Prandtauer-Straße 11, A-3390 Melk, +43 2752 540 60, office@wachaukulturmelk.at, www.sommerspielemelk.at

Die mobile Version verlassen