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Zum 27. Jänner: Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten Menschen mit dem Lila Winkel

Gedenktafel für die Opfer der Zeugen Jehovas in Mauthausen (C) JZ-Ö/Ga

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Jänner ist der Beginn des Erinnerns für 2026 nach einem intensiven Gedenkjahr 2025. Der Verein Lila Winkel erinnert an die Zeugen Jehovas als eine der ersten von der Verfolgung Betroffenen. Sie wurden ab der Machtergreifung Hitlers 1933 als erste Gruppe verfolgt und in Konzentrationslager deportiert. Aus christlicher Überzeugung stellten sie sich gegen das menschenverachtende Regime.

27. Jänner 2026 – Jehovas Zeugen stellten sich dem Nationalsozialismus konsequent entgegen. Sie zeigten ihre Ablehnung indem sie den Hitlergruß ebenso verweigerten, wie den Kriegsdienst oder die Teilnahme in NS-Organisationen. In Österreich und Deutschland wurden Tausende wegen ihres Glaubens inhaftiert sowie in Konzentrationslagern und Gefängnissen systematisch misshandelt. Jehovas Zeugen erhielten als einzige Glaubensgemeinschaft eine Kennzeichnung auf ihrer Häftlingskleidung – einen lila Winkel. Über 1.700 wurden ermordet, darunter waren 154 österreichische Opfer.

Gedenktafel Mauthausen

Vielfältiges Erinnern im Gedenkjahr 2025
Der Verein „Lila Winkel“, der sich der Rehabilitierung und Unterstützung von Opfern der NS-Zeit widmet, erinnerte 2025 mit unterschiedlichen Veranstaltungen in Österreich und wird diese gelebte Erinnerungskultur auch 2026 fortsetzen:

  • Am 4. April fand die Eröffnung der Ausstellung „Erinnern gegen das Vergessen: Die Opfer des Nationalsozialismus aus Wolfsegg und Umgebung“ im Schloss Wolfsegg statt. Fast 200 Besucher erlebten eine emotionale Eröffnungsrede der 18-jährigen Hanna Bauer, die diese Ausstellung im Rahmen ihrer vorwissenschaftlichen Arbeit initiierte. Mit Unterstützung des Vereins wurden die Lebensgeschichten von acht Zeug*innen Jehovas von insgesamt zwölf Opfern erzählt und auf großformatigen Tafeln ausgestellt.
  • Kurz danach, am 15. Mai fand die erste Gedenkveranstaltung im Schloss Lannach, ein ehemaliges Außenlager des KZ Mauthausen, statt. Diese erinnerte an neun Zeuginnen Jehovas, die dort inhaftiert wurden und Zwangsarbeit leisten mussten. Eine der Frauen war Josepha Adamski, 32 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier kleiner Töchter. Nach ihrer Verhaftung wurde sie nach Lannach gebracht und zur Feldarbeit gezwungen. Ihr Mann kam im KZ Auschwitz ums Leben. Am 9. Mai 1945 wurden die von der Haft schwer gezeichneten Frauen von der russischen Armee befreit. Vorstandmitglied des Vereins Heide Gsell verfasste die Biografien der inhaftierten Frauen.
  • Die Filmpremiere von „Ich bleibe fest – Ostajam neomajen“ im Kärntner Landesarchiv war ein weiterer Höhepunkt des Gedenkjahres 2025. Die Dokumentation thematisiert die religiöse Verfolgung von Jehovas Zeugen am Beispiel der Familie Wohlfahrt. Historisch nachgestellte Szenen zeigen das Bild einer liebevollen und glücklichen Großfamilie, die brutal vom NS-Regime auseinandergerissen wurde. Gedreht wurde teilweise auf Originalschauplätzen und der Film gibt tiefe Einblicke in die Geschichte. Historikerinnen referierten über die Erinnerungskultur in Kärnten und den Widerstand von Jehovas Zeugen. Peter Stocker, Vorstand des Vereins und Initiator der Dokumentation sprach über die Dreharbeiten und bedankte sich bei allen ehrenamtlichen Helfer*innen.
  • Während des gesamten Jahres gab es noch weitere Veranstaltungen, bei denen der Verein aktiv beteiligt war oder diese initiiert hatte. Das Zeitzeugengespräch im Stiftsgymnasium Melk begeisterte die Schüler*innen und machte sie nachdenklich. Die jährliche Teilnahme an der Internationalen Gedenk- und Befreiungsfeier in den Gedenkstätten Mauthausen und Gusen ist für den Verein selbstverständlich.

    Gedenktafel Mauthausen

Erinnern ist gerade heute wichtig
Die Erinnerung an die NS-Zeit würdigt die Opfer und hält ihr Schicksal wach. Zugleich zeigt sie, wie gefährdet Demokratie und Menschenrechte sind, und hilft, Ausgrenzung, Hass und Menschenfeindlichkeit auch in der Gegenwart zu erkennen. Besonders für jüngere Generationen schafft Erinnerung historisches Bewusstsein und fördert ethisches Handeln, Zivilcourage und die Bereitschaft, Verantwortung für eine offene und humane Gesellschaft zu übernehmen.

Gedenktafel Gusen

Verein Lila Winkel, www.lilawinkel.at, Michelbachberg 52, 8081 Empersdorf

Fotos: @ FMZ

Kontakt:
Franz Michael Zagler
Tel: 0676 637 84 96
E-Mail: fmzagler@fmzagler.at

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