Am Samstag, dem 9. Mai 2026, fand die 81. Gedenkveranstaltung im ehemaligen KZ Gusen statt. Auch Vertreter der österreichischen Bundesregierung waren unter den Gästen und verfolgten das mehrsprachige Programm mit Beiträgen aus fünf Ländern.
Rund 500 Besucher*innen gedachten der unzähligen Opfergruppen, die im Zweitlager des Konzentrationslagers Mauthausen arbeiteten, litten, vor Erschöpfung starben oder ermordet wurden. Gesandte der Länder Frankreich, Polen, Spanien, Italien und Slowenien gaben jeweils ein Statement über die Gefangenen ab und sprachen offen über den Wunsch nach Freiheit, die alle Sprecher gefährdet sehen.

Diese Freiheit sprach auch Fr. DDr. Barbara Glück, Direktorin der Gedenkstätte Gusen und Mauthausen, an, als sie die Besucher*innen daran erinnerte, dass „die Freiheit, die wir heute genießen, ein seltenes Gut ist, das es sorgsam zu bewahren gilt“.
Auch die Moderatoren Julia Mayr und Bernhard Mühleder, Koordinator der KZ-Gedenkstätte Gusen, drückten in ihren einleitenden Worten die Sorge über die weltweite Entwicklung aus und betonten, „dass Grenzen neu gezogen werden – nicht nur auf der Landkarte, sondern auch im Herzen“.
Mit Standing Ovations wurde der älteste Besucher empfangen. Der 106jährige Kawa Piotr war mit seiner Familie aus Polen angereist, und hatte nicht nur den Lageralltag im KZ Gusen überlebt, sondern auch das Chaos an den Tagen der Befreiung durch die Amerikaner im Mai 1945.
Darüber berichtete auch Heidi Gsell, Historikerin und Vorstandsmitglied vom Verein Lila Winkel. Sie sprach in einer privaten Gedenkveranstaltung nahe dem großen Steinbrecher von Jehovas Zeugen, die als einzige christliche Gruppe ein Häftlingszeichen trugen, den lila Winkel. In Gusen waren 75 Personen der Glaubensgemeinschaft (damals bekannt als „Die Bibelforscher“, Anm.) inhaftiert, die der starke Zusammenhalt prägte. Einer von ihnen, Boleslaw Cebo, ein Landsmann von Kawa Piotr, beschrieb die dramatischen Stunden der Befreiung so: „Die Amerikaner kamen, es wurde gejubelt, Nationalhymnen wurden gesungen, Fahnen geschwenkt. Wir zogen uns zurück und hielten eine Zusammenkunft ab. Gleichzeitig brach Chaos aus. Etwas mehr als eine halbe Stunde dauerte diese Anarchie. Blockälteste und Kapos, die getötet hatten, wurden selbst getötet. Es lagen viele Tote (über 1000, Anm.) herum. Währenddessen hielten wir unsere Zusammenkunft ab.“
Am Ende der Gedenkfeier wurden kreisförmig Blumen in der Mitte des Appellplatzes gelegt und das Lied „Bella Ciao“ gesungen. Der Text wurde von Marc Weydert und Luc Dockedorf adaptiert und besingt die flehentliche Bitte, „Unterdrückung und Krieg niemals wieder aufkommen zu lassen“.
Franz Michael Zagler
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