Start Lifestyle Ausflugsziele Wenn die Seele eine Bühne bekommt: Eröffnung der NÖ Landesausstellung 2026

Wenn die Seele eine Bühne bekommt: Eröffnung der NÖ Landesausstellung 2026

Feierliche Eröffnung der NÖ Landesausstellung 2026 mit dem Leiter der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich Hermann Dikowitsch, Landesrat Anton Kasser, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Vorständin der NÖ Landesgesundheitsagentur Elisabeth Bräutigam und dem Geschäftsführer der NÖ Landesausstellung Erwin Klissenbauer (v.l.n.r.). Foto: © NLK Khittl

Zwischen Jugendstil-Pracht und psychischer Gesundheit eröffnet Niederösterreich im Landesklinikum Mauer eine Landesausstellung, die Tabus bricht und eine ganze Region beflügelt.

Es ist ein Moment, in dem die Geschichte und die Gegenwart des Mostviertels auf besondere Weise verschmelzen, als die Klänge von Gansch & Breinschmid durch das geschichtsträchtige Areal des Landesklinikums Mauer getragen werden. Unter dem vielversprechenden Titel „Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit.“ wurde am heutigen Freitag die Niederösterreichische Landesausstellung 2026 feierlich eröffnet.

Dass ausgerechnet der Bewohnerchor des Pflege- und Betreuungszentrums die Landeshymne anstimmte, verlieh dem Festakt vor rund 600 geladenen Gästen eine tief berührende Note und setzte sogleich den Ton für ein Projekt, das weit über eine gewöhnliche Kulturschau hinausgeht. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte in ihrer Eröffnungsrede sichtlich stolz, dass diese 42. Landesausstellung nicht nur ein Motor für die regionale Wirtschaft und den Tourismus sei, sondern vor allem ein mutiges Zeichen für den gesellschaftlichen Wandel setze. Man sei endlich am Ziel angekommen, vom bloßen Wegschauen zum ehrlichen Hinschauen überzugehen, denn psychische Gesundheit stehe der körperlichen Unversehrtheit in nichts nach.

Feierliche Eröffnung der NÖ Landesausstellung 2026 mit dem Leiter der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich Hermann Dikowitsch, Landesrat Anton Kasser, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Vorständin der NÖ Landesgesundheitsagentur Elisabeth Bräutigam und dem Geschäftsführer der NÖ Landesausstellung Erwin Klissenbauer (v.l.n.r.). Foto: © NLK Khittl

Das Land hat für dieses Vorhaben tief in die Tasche gegriffen: Rund 43 Millionen Euro flossen in den Standort, um das einzigartige Jugendstil-Ensemble zu renovieren und gleichzeitig eine nachhaltige Standortsicherheit für das Klinikum zu schaffen. Es ist ein Experiment am offenen Herzen, denn die Schau findet bei laufendem Klinikbetrieb statt, was Mikl-Leitner zu einem besonderen Dank an das Personal sowie die Patientinnen und Patienten veranlasste. Die Ausstellung selbst, kuratiert von Niko Wahl und Michael Resch unter der wissenschaftlichen Leitung von Armin Laussegger, nutzt die Authentizität des Ortes, um die oft unsichtbaren Brüche der menschlichen Seele greifbar zu machen. Paulus Hochgatterer, renommierter Psychiater und Autor, verwies darauf, dass psychische Phänomene jahrhundertelang als Grund für Ausgrenzung herhalten mussten – ein Stigma, das diese Schau nun endgültig aufbrechen will. Dabei wird die dunkle Vergangenheit nicht ausgespart: In der Ausstellung und dem neuen, dauerhaften Lernort in Haus 21 setzt man sich intensiv mit den Medizinverbrechen der NS-Zeit auseinander, um eine lebendige Erinnerungskultur unter dem Motto „Nie wieder“ zu verankern.

Doch die Landesausstellung strahlt weit über die Klinikmauern hinaus in das gesamte Mostviertel. Von der „Birnerlebniswelt“ in Haag bis hin zu zahlreichen Projekten entlang der Moststraße ist eine Aufbruchstimmung spürbar, die 31 Gemeinden und über 130 Partnerbetriebe erfasst hat. Es geht um Regionalpolitik der Marke Niederösterreich, die Kultur und Gesundheit miteinander verwebt. Dass das Thema auch die nächste Generation erreicht, zeigt das Vermittlungsprogramm „Familienspur“, das gemeinsam mit lokalen Volksschülern entwickelt wurde, um Kindern frühzeitig das nötige Rüstzeug für den Umgang mit Gefühlen mitzugeben. Die persönliche Note der Eröffnung unterstrich Keynote-Speakerin Verena Titze, die mit ihrer eigenen Geschichte über Burn-out und Genesung für Gänsehautmomente sorgte und das Land für den Mut lobte, dieses sensible Thema derart prominent zu platzieren. Bis zum 8. November 2026 lädt Mauer nun dazu ein, die Welt mit anderen Augen zu sehen und zu begreifen, dass eine gebrochene Seele kein Grund für Einsamkeit sein darf, sondern Raum für Gemeinschaft und Heilung braucht.

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