Coronakrise brachte Anstieg an Beratungsleistung in Fraueneinrichtungen

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(v.l.n.r.) Weitere enge Zusammenarbeit gegen Gewalt an Frauen vereinbart: Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Oberstleutnant Sonja Stamminger (Landespolizeidirektion NÖ) und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister
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LR Teschl-Hofmeister: „Frauen- und Mädchenberatungsstellen waren auch während des Lockdowns stets für Hilfesuchende geöffnet“

Der durch die Ausbreitung des Coronavirus begründete Lockdown und die mit ihm einhergehenden Maßnahmen haben für viele Familien eine herausfordernde Zeit bedeutet. Besonders von den Auswirkungen betroffen waren auch von Gewalt betroffene Frauen.

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, die Landespolizeidirektion NÖ, das Gewaltschutzzentrum NÖ und die Frauen- und Mädchenberatungsstellen haben die aktuellen Zahlen ausgewertet und ziehen eine erste Bilanz. „Sowohl die Frauen- und Mädchenberatungsstellen als auch die Gewaltschutzzentren haben einen Anstieg an Beratungsleistungen verzeichnet. Dies lässt sich mit steigenden Zahlen an Betretungsverboten belegen“, so die Landesrätinnen. So zeigen die Zahlen einen deutlichen Anstieg an Betretungsverboten im Zeitraum vom 18. März bis 18. Mai dieses Jahres im Vergleich zum selben Zeitraum des Jahres 2019 um 44 Prozent. Im Zeitraum vom 18. März bis 18. Mai dieses Jahres wurden 313 Betretungsverbote verhängt. Im Vergleichszeitrum 2019 waren es 218 Betretungsverbote

„Es war und ist uns während der gesamten Krisenzeit ein großes Anliegen, genau zu verfolgen, wie sich die Maßnahmen rund um Covid-19 auf Niederösterreichs Frauen auswirken. Besonders wichtig ist uns zu betonen, dass die Frauen- und Mädchenberatungsstellen während der gesamten Zeit des Lockdowns und auch danach stets geöffnet waren, um Frauen die Hilfe und Unterstützung suchten, diese auch in dieser besonders herausfordernden Zeit bieten zu können“, erklären Landesrätin Teschl-Hofmeister und Landesrätin Königsberger-Ludwig.

Frauen nehmen verstärkt von ihrem Recht auf Hilfe Gebrauch

Oberstleutnant Sonja Stamminger von der Landespolizeidirektion NÖ bestätigt: „Wir stellen in der Statistik einen kontinuierlichen Anstieg von häuslicher Gewalt fest, wobei wir auch davon ausgehen, dass nicht unbedingt die Taten an sich steigen, sondern durch die gehäuften Vorfälle im Vorjahr ein Sensibilisierungssprung eingetreten ist. Frauen nehmen verstärkt von ihrem Recht auf Hilfe Gebrauch. Von Jahresbeginn bis Mai gab es niederösterreichweit rund 750 Gefährder. Das sind um 162 mehr als im letzten Jahr.“

„Seitens des Landes Niederösterreich haben wir intensiv über Anlaufstellen in Krisensituationen informiert, um Frauen zu helfen, einen Weg aus der Gewaltspirale zu finden. Wir danken allen Einrichtungen sowie Supermärkten und Apotheken, die aktiv zur Verbreitung dieser Informationen beigetragen haben und wichtige Multiplikatoren sind“, heben Teschl-Hofmeister und Königsberger-Ludwig hervor. Gemeinsam mit dem Land Niederösterreich und den Mädchen- und Frauenberatungsstellen wurden Folder über Hilfsangebote für von Gewalt betroffenen Frauen aufgelegt und verbreitet. Diese ermöglichen betroffenen Frauen unauffällig Informationen über Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren in ihrer Nähe zu bekommen und sollen sie dazu ermutigen diese bei Bedarf in Anspruch zu nehmen.

Psychische Gewalt in Beratungsstellen vordergründiges Thema

„Pro Jahr wenden sich rund 2.400 Frauen mit dem Thema häusliche Gewalt an die Mädchen- und Frauenberatungsstellen und thematisieren dies im Erstgespräch. Zahlreiche Frauen treten aber auch mit anderen Themen an die Hilfsinstitutionen heran und erzählen erst im Laufe der Beratung über die erlebte Gewalt. Am häufigsten werden psychische Gewalt wie Erniedrigungen und Abwertungen genannt,“ so Elisabeth Cinatl, Sprecherin der NÖ Mädchen- und Frauenberatungsstellen. Konkretere Daten werde es allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt geben, da Frauen derzeit mit Existenzängsten, Arbeitsplatzverlust oder finanziellen Problemen zu kämpfen haben und aktuell vordergründig mit Familienmanagement beschäftigt seien, so Cinatl.

„Eine völlige Gleichstellung der Geschlechter ist in unserer Gesellschaft leider noch nicht umgesetzt. Vor allem in Krisenzeiten zeigt sich, dass Frauen und deren Kinder oft besonders hart von den Auswirkungen betroffen sind“, fassen die beiden Landesrätinnen zusammen.

Foto: Kraus

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