Zwischen Reben und Kellergassen erwacht im Weinviertel ein jahrhundertealtes UNESCO-Kulturerbe zu neuem Leben.
Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Nasenspitze kitzeln und sich das sanfte Hügelmeer Niederösterreichs in ein sattes Grün verwandelt, liegt ein ganz besonderer Zauber über dem Weinviertel. Es ist die Zeit, in der eine alte Tradition ihre Fortsetzung findet: „In die Grean gehen“ nennt man hier den rituellen Aufbruch in die Natur, der heute weit über die Grenzen der Region hinaus Weinliebhaber und Genießer in seinen Bann zieht.

Ursprünglich als Dankesgeste für die Erntehelfer gedacht, die am Ostermontag – angelehnt an den biblischen Emmausgang – gemeinsam mit den Winzern den jungen Wein verkosteten, hat sich der Brauch zu einem modernen Erlebnis für alle Sinne gewandelt. Wer heute mit einer Winzerpersönlichkeit durch die erwachenden Rieden wandert, spürt die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Boden. Es wird fachgesimpelt, gelacht und vor allem genossen. Der frische Duft der knospenden Reben vermischt sich mit dem Aroma einer kräftigen Heurigenjause, während der Jungwein im Glas funkelt. Dass dieser Brauch mittlerweile zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählt, unterstreicht die Authentizität dieses Erlebnisses. Ob bei einem kurzen Tagesausflug oder einem entspannten Wochenende mit Weinbegleitung: Wer in die Grean geht, lässt den Alltag im Tal zurück. Es ist eine Einladung, den Frühling nicht nur zu sehen, sondern ihn Schluck für Schluck zu schmecken und die Seele in der Weite der Landschaft baumeln zu lassen.




















