AUTOTEST. Kia EV3 GT-line
Der Kia EV3 GT Line wirkt wie ein kleiner EV9, der für die Stadt und das echte Leben geschrumpft wurde – mit viel Pep, eigenwilligem Design und erstaunlich viel elektrischer Substanz.
Der EV3 GT -line ist 4,31 Meter lang und verbindet kompakte Abmessungen mit einem selbstbewussten Auftritt. Schon optisch setzt er sich klar vom automobilen Einheitsbrei ab. Typisch Kia ist die bewusst eigenwillige, fast ein wenig abnorme Formensprache mit klaren Kanten, kräftigen Flächen und einer Front mit Star-Map-Beleuchtungskonzept, die man sofort wiedererkennt. Er sieht seinem großen Bruder EV9 erstaunlich ähnlich, wirkt dabei aber handlicher, urbaner und deutlich verspielter. Die sportlich gestalteten Stoßfänger, schwarze Akzente und die 19-Zoll-Leichtmetallräder der GT-line unterstreichen diesen Charakter und geben dem kleinen SUV ordentlich Attitüde.
Im Innenraum zeigt der EV3, wie modern Kia inzwischen denkt. Die GT-line bringt ein großes, breites Dreifach-Panoramadisplay, das das digitale 12,3“ Supervision Cluster, das 12,3“ Rheostat-Display und das zentrale 12,3“ Touchscreen optisch zu einer Einheit verschmilzt. Die Darstellung ist klar, die Bedienung logisch aufgebaut und schnell erlernbar. Die Sitze sind sportlich geformt, bieten guten Seitenhalt und bleiben auch auf längeren Strecken sehr bequem. Materialien und Verarbeitung wirken überraschend hochwertig, die Mischung aus modernen Oberflächen, klaren Linien und funktionalen Details gibt dem Innenraum einen sehr zeitgemäßen, fast futuristischen Charakter.
Besonders spannend ist immer wieder Kias Ansatz bei den nachhaltigen Materialien. Im EV3 kommen unter anderem recycelte Kunststoffe, wiederverwertete Textilien und biobasierte Oberflächen zum Einsatz, ohne dass sich der Innenraum deshalb weniger hochwertig anfühlt. Im Gegenteil: Die Stoffe und Verkleidungen wirken angenehm warm, griffig und hochwertig und tragen zu einer wohnlichen Atmosphäre bei, die man in dieser Klasse nicht unbedingt erwartet. Nachhaltigkeit wird hier nicht als Verzicht inszeniert, sondern als Teil eines modernen Premium-Anspruchs.
Zur Serienausstattung der GT -line gehören unter anderem Head-up-Display, Harman Kardon Premium Soundsystem, adaptiver Tempomat, aktiver Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Rückfahrkamera, Parksensoren, schlüsselloser Zugang, elektrische Heckklappe, modernes Infotainmentsystem mit Smartphone-Integration, etc . Alles wirkt sinnvoll integriert und nicht wie eine lose Sammlung von Extras. Im Alltag fühlen wir uns hier sofort Zuhause.
Angetrieben wird der Testwagen von einem Elektromotor mit 150 kW / 204 PS, der die Vorderräder „anspeist“. In der Praxis fühlt sich der Kia spontan und durchsetzungsstark an, besonders beim Anfahren und beim Beschleunigen aus niedrigem Tempo heraus. Der Vortrieb setzt unmittelbar ein, ohne Verzögerung, was dem Kia im Stadtverkehr eine lebhafte Agilität verleiht. Auch bei zügigen Überholmanövern auf der Landstraße oder beim Herausbeschleunigen aus Kurven kommt nie das Gefühl auf, als würde man Kraft vermissen.
Im Test beschleunigt der EV3 in gestoppten 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine begerenzte Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Damit bewegt er sich klar über dem Klassendurchschnitt und bietet genügend Leistungsreserven für jede Verkehrssituation.
Das Fahrwerk unterstützt diesen Charakter mit einer gelungenen Balance aus Kontrolle und Komfort. Der EV3 bleibt auch bei flotter Gangart ruhig in seiner Haltung, spricht direkt auf Lenkbefehle an und vermittelt ein sicheres, präsentes Fahrgefühl. Gleichzeitig filtert er kurze Stöße und schlechte Asphaltkanten sauber weg, wodurch selbst längere Strecken entspannt bleiben. Insgesamt wirkt der EV3 GT-line überraschend agil und sicher, selbst dort, wo andere Kompakt-SUV eher träge auftreten.
Die Energie liefert eine Batterie mit 81,4 kWh. In unserem Testbetrieb kommen wir auf einen Verbrauch von etwa 17,5 kWh pro 100 Kilometer, was in dieser Klasse ein sehr guter Wert ist. Damit sind längere Tagesetappen von über 450 und mehr Kilometer problemlos möglich. Auch das Schnellladen funktioniert flott genug, um den EV3 auf Reisen alltagstauglich zu halten.
Praktisch zeigt sich der Koreaner ebenfalls. Der Kofferraum fasst mindestens 460 Liter und bietet damit genug Platz für Wocheneinkauf, Freizeitgepäck oder den Kurzurlaub. Mit umgelegter Rückbank entsteht eine ebene Ladefläche, die den kleinen Kia überraschend vielseitig macht. Die erhöhte Sitzposition sorgt zudem für gute Übersicht – ein echter Vorteil im dichten Stadtverkehr wie auch beim Rangieren.
Fazit: Der Kia EV3 GT-line ist ein elektrisches Kompakt-SUV mit echter Persönlichkeit. Er kombiniert eigenwilliges Design, moderne Technik, nachhaltige Materialien und ein erstaunlich reifes Fahrgefühl zu einem stimmigen Gesamtpaket. Mit seinem Pep, seiner Effizienz und seiner klaren Kia-Identität wirkt er wie ein kleiner EV9 für den Alltag – auffällig, dynamisch und überraschend erwachsen.
Fotos: © slz


















