Frauen erobern Niederösterreichs Rathäuser Schritt für Schritt.
Niederösterreich führt beim Frauenanteil in der Kommunalpolitik. Doch hinter den Kulissen bleibt der Weg an die Spitze steinig.

Lisa Schallauer packt an. Mit gerade einmal 32 Jahren führt die zweifache Mutter die Geschicke der Gemeinde Allhartsberg. Sie hört zu, diskutiert auf Augenhöhe und pendelt täglich zwischen Kinderzimmer und Bürgermeisterbüro. Ein Balanceakt, der Mut erfordert, im ländlichen Raum aber immer noch eine Seltenheit darstellt. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Während österreichweit nur knapp zwölf Prozent der Rathäuser fest in weiblicher Hand sind, gibt Niederösterreich das Tempo vor. Kürzlich stieg die Zahl der Ortschefinnen auf 99 an – Rekord im Ländervergleich. Dennoch besetzen Männer weiterhin mehr als vier von fünf Bürgermeisterposten. Männlich geprägte Strukturen, traditionelle Rollenbilder und Hate Speech in Online-Medien bremschen engagierte Frauen aus. Um diesen Hürden zu trotzen, schärfen Anwärterinnen ihr Profil in gezielten Förderprogrammen. Erst im vergangenen Februar schlossen 17 Teilnehmerinnen den jüngsten Durchgang des landesweiten Politik-Mentorings erfolgreich ab. Sie lernten Schlagfertigkeit im Landtag, analysierten Debatten und entwickelten eigene Projekte für sichere Schulwege oder Jugendräume. Im kommenden Herbst kommen die Absolventinnen aller bisherigen Durchgänge für ein Alumnae-Netzwerktreffen zusammen, um Allianzen für die Zukunft zu schmieden. Der Wandel ist spürbar: Wo früher fast ausschließlich Männer am Verhandlungstisch saßen, gestalten heute immer mehr Frauen die Heimat aktiv mit.
















