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Am 22. Juni 2023 hat der Deutsche Bundestag einstimmig für die Errichtung eines Mahnmals für die verfolgten Zeugen Jehovas während des NS-Regimes votiert. Drei Jahre später, am Mittwoch, dem 24. Juni 2026, wird die beeindruckende Skulptur im Berliner Tiergarten der Öffentlichkeit übergeben. Der Vorstand des österreichischen Vereins „Lila Winkel“ ist beim Festakt, bei dem auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner erwartet wird, vertreten.  

Der Verein „Lila Winkel“, der sich seit 1998 der Rehabilitierung und Unterstützung von Opfern der NS-Zeit widmet, gedenkt damit auch den 154 österreichischen Opfern, die im Holocaust ermordet wurden. Jehovas Zeugen wurden ab der Machtergreifung Hitlers 1933 als erste Gruppe verfolgt und in Konzentrationslager deportiert, weil sie sich aus christlicher Überzeugung gegen dieses menschenverachtende Regime stellten.

Bundestag würdigt entschlossenen Widerstand
Diese konsequente Haltung würdigte auch der Bundestag, der in seiner Begründung zur Errichtung des Mahnmals daran erinnerte, „dass die Mitglieder der Religionsgemeinschaft aus ihrem Glauben heraus geschlossenen Widerstand leisteten“. Demnach würden alle Fraktionen von Koalition und Union die Erinnerungsinitiative am historischen Ort im Berliner Tiergarten begrüßen, um über die Verfolgung dieser Opfergruppe zu informieren.

154 österreichische Opfer
Der Standort am Goldfischteich ist bewusst gewählt. Dort führte die Gestapo am 22. August 1936 eine Verhaftungsaktion gegen Jehovas Zeugen durch. Die Zeugen Jehovas, damals auch als Ernste Bibelforscher bekannt, verweigerten den Hitlergruß, lehnten die Mitgliedschaft in NS-Organisationen ab und verweigerten den Kriegsdienst. Dafür zahlten sie einen hohen Preis: Über 15.500 Frauen und Männer wurden inhaftiert, davon über 4.200 in Konzentrationslager verschleppt. Bis 1945 wurden mindestens 1.750 Mitglieder der Glaubensgemeinschaft im Nationalsozialistischen Deutschland ermordet, darunter 154 österreichische Opfer.

Verein „Lila Winkel“ mit Sitz in der Steiermark
Jehovas Zeugen erhielten als einzige Glaubensgemeinschaft eine Kennzeichnung auf ihrer Häftlingskleidung – einen lila Winkel. Der Verein „Lila Winkel“, mit Sitz in der Steiermark, sieht es als seine Verpflichtung, durch die Teilnahme an der Mahnmalenthüllung in Berlin an das Schicksal der Opfer auch in Österreich zu erinnern. Die Vorstandsmitglieder Peter Stocker, Franz Michael Zagler, Heidi und Bernd Gsell freuen sich auf die Bronzeskulptur, die der Künstler Matthias Leeck geschaffen hat.

4,95 Meter hoch und rund 12 Tonnen schwer
Die Bronzeskulptur in Form eines Baumstamms beeindruckt nicht nur durch die Maße – 4,95 Meter hoch und rund 12 Tonnen schwer – sondern durch die Botschaft. Sie soll vor allem die Standhaftigkeit der Opfergruppe symbolisieren, die vom ersten Tag der nationalsozialistischen Diktatur an Widerstand leistete. Der Baum steht – er biegt sich nicht, er bricht nicht. Und doch trägt er sichtbare Spuren. Die Oberflächenstruktur des Mahnmals macht die Verletzungen sichtbar, die diese Opfergruppe erlitten hat. Narben und Schnittwunden durchziehen die Bronze. Sie sind nicht nur sichtbar, sondern erfahrbar – wer das Mahnmal berührt, spürt das Leid unter den Fingerspitzen.

Foto: © Arnold-Liebster Stiftung

Feierliche Übergabe am 24. Juni
Am Mittwoch, dem 24. Juni 2026, um 11:00 Uhr wird das Mahnmal im Rahmen eines einstündigen Festakts der Öffentlichkeit im Tiergarten Berlin, Nähe Goldfischteich / Ahornsteig, übergeben. Beim Festakt sprechen Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin, Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, Oliver Friederici, Staatssekretär für Gesellschaftlichen Zusammenhalt, und Matthias Leeck, Künstler des Mahnmals. Außerdem kommen Clara-Denise Dörner, Urenkelin des Verfolgten Bruno Seide, und Julius Glaser, Urenkel des Verfolgten Wilhelm Ruhnau, zu Wort. Die Moderation übernimmt Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden in Europa.

Livestream und Kontakt
Wer nicht vor Ort sein kann, hat die Möglichkeit zur Online-Teilnahme über die Livestream-Seite der Arnold-Liebster-Stiftung.

Website: www.alst.org;
Kontakt: +49 30 263943–36; besucherservice@stiftung-denkmal.de
Verein Lila Winkel, www.lilawinkel.at, Michelbachberg 52, 8081 Empersdorf

Kontakt:
Franz Michael Zagler
Tel: 0676 637 84 96
E-Mail: fm.zagler@outlook.com