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AUTOTEST. NIO ET5 Long Range

Mit dem ET5 Long Range stellt sich ein besonders hochwertiger Vertreter der elektrischen Mittelklasse unseren Testbedingungen. Eigenständiges Design, feine Verarbeitung und modernste Technik wecken hohe Erwartungen. Wir klären auf unseren Testrunden, wie überzeugend der NIO dieses Versprechen auf die Straße bringt.

Mit 4,79 Metern Länge spielt der ET5 in der gehobenen Mittelklasse, wirkt durch seine fließende Silhouette aber wesentlich leichter und sportlicher. Rahmenlose Scheiben, versenkte Türgriffe, die flache Front und das markante Heck ergeben einen eigenständigen Auftritt. In Sunbathe Yellow ist Zurückhaltung ohnehin kein Thema. Die Farbe wurde eigens für den ET5 entwickelt und passt erstaunlich gut zur dynamischen Linie.

Und Dynamik hat der NIO reichlich zu bieten. An der Vorderachse arbeitet ein 150-kW-Induktionsmotor, hinten ein 210-kW-Permanentmagnetmotor. Gemeinsam stehen 360 kW/490 PS und gewaltige 700 Nm zur Verfügung. Wer im Sport+-Modus das Fahrpedal durchtritt, sollte seine Mitfahrer besser vorwarnen. Der ET5 gehört zu jenen Elektroautos, bei denen ein unvermittelter Vollstrombefehl die Köpfe ziemlich nachdrücklich Richtung Kopfstützen befördert. Das macht auch nach mehreren Versuchen Spaß. NIO verspricht für 0 auf 100 km/h exakt 4,0 Sekunden – und genau diese 4,0 Sekunden stoppen auch wir.

Mindestens ebenso beeindruckend ist, wie sauber der Allrad die Leistung auf die Straße bringt. Kein Zerren, kein hektischer Kampf um Traktion: Der ET5 setzt seine 700 Nm souverän um. Die ausgewogene Gewichtsverteilung und das Fünflenker-Sportfahrwerk sorgen auch in schnellen Kurven für hohe Stabilität. Trotzdem wird aus dem NIO kein kompromisslos hartes Sportgerät.

Ein kräftiges Ausrufezeichen setzt der ET5 beim Verbrauch. In der rund 500-PS-Liga sind unsere Werte zwischen 16 und maximal 19,8 kWh pro 100 Kilometer bemerkenswert. Das schlägt sich unmittelbar in der Praxisreichweite nieder: Im sommerlichen Durchschnitt schaffen wir mit dem Long Range stets rund 500 Kilometer – je nach Fahrprofil ein paar Kilometer mehr oder weniger. Damit werden auch längere Etappen ausgesprochen entspannt, ohne dass dafür das rechte Pedal nur gestreichelt werden muss.

Auch im Fond reist es sich gemütlich, der Radstand von 2,89 Metern schafft ordentlich Bewegungsfreiheit. Überhaupt gehört der Innenraum zu den großen Stärken. Materialien, Verarbeitung und die reduzierte Gestaltung vermitteln echtes Oberklasse-Flair. Ein 12,8-Zoll-AMOLED-Bildschirm bildet die digitale Zentrale, dazu kommen ein 10,2-Zoll-Fahrerdisplay, Panorama-Glasdach und ein mächtiges 7.1.4-Soundsystem mit 23 Lautsprechern und 1.000 Watt.

Und dann ist da natürlich NOMI. Die Sprachkommunikation mit dem Auto funktioniert wieder ausgezeichnet. Statt sich durch Untermenüs zu hangeln, sprechen wir mit dem NIO – und er versteht zuverlässig, was wir von ihm wollen. Gerade weil heute nahezu jeder Hersteller einen Sprachassistenten verspricht, fällt auf, wie selbstverständlich das System bei NIO inzwischen funktioniert.

Die Long-Range-Batterie stellt 100 kWh Kapazität bereit. Geladen wird mit 11 kW AC, beim Schnellladen sind je nach Batterieversion bis zu 180 kW DC möglich. Damit schafft die leistungsstärkere Variante den Sprung von zehn auf 80 Prozent in rund 30 Minuten. Bemerkenswert bleibt NIOs Power-Swap-Idee: Anstelle des Ladens wird an speziellen Stationen der komplette Akku automatisch gegen einen geladenen getauscht. In Österreich ist dieses Konzept allerdings noch Zukunftsmusik – hier zählt vorerst die klassische Ladesäule.

Praktisch kann die elegante Limousine ebenfalls. Der Kofferraum fasst 386 Liter, ist gut nutzbar und macht auch bei größerem Reisegepäck keine unnötigen Verrenkungen erforderlich. Soft-Close-Türen und umfangreiche Assistenzhardware samt LiDAR runden den Auftritt ab.

Interessant ist derzeit auch ein Blick auf den Preis. NIO lockt aktuell mit satten Rabatten und attraktiven Angeboten. Damit ist NIO-Fahren momentan erstaunlich erschwinglich – insbesondere wenn man Leistung, Technik, Qualität und die umfangreiche Ausstattung des ET5 gegenüberstellt.

FAZIT. Der ET5 beherrscht zwei Welten: hochwertiges, komfortables Reisen und auf Kommando brachiale Fahrleistungen. 490 PS, famoser Allrad, rund 500 Kilometer Praxisreichweite und NOMI ergeben ein Elektroauto, das sich seinen Platz in der Premiumliga verdient.

Fotos: © slz