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Kunst-und Forschungsexperiment an den Loosdorfer Badeteichen gestartet

Loosdorf 15. September 2026: Wer in den kommenden Monaten die öffentlichen Badeteiche in Loosdorf-Neubach besucht, wird zwei ungewöhnliche neue Bewohner entdecken. Rund einen Meter ragen die auffälligen rot-weißen Skulpturen aus dem Wasser. Was auf den ersten Blick wie ein überdimensioniertes Fischerutensil wirkt, ist Teil eines künstlerischen und wissenschaftlichen Experiments im Rahmen des Forschungs-und Kunstprojekts „am Ufer – Eintauchen in die Flusslandschaft“.

Die beiden Objekte tragen die Bezeichnungen T/H LOS 26/1 und T/H LOS 26/2. Entstanden sind sie aus einer gemeinsamen Idee des künstlerischen Leiters von „amUfer“, Herwig Turk, und des Künstlers Johannes Hoffmann. Hoffmann ist unter anderem als Leiter der Holzwerkstatt an der Akademie der bildenden Künste Wien tätig und weitestgehend für die skulpturale Gestaltung der Objekte verantwortlich.

Die Grundidee ist ebenso einfach wie ungewöhnlich: Ein eigentlich alltägliche rGegenstand aus der Welt der Fischerei – ein Schwimmer – wird selbst zum künstlerischen Objekt und gleichzeitig zu einem Lebensraum unter Wasser.

Herwig Turk beschreibt den Gedanken hinter der Installation: „Wir nehmen einen Gegenstand, dessen eigentliche Funktion darin besteht, an der Oberfläche sichtbar zu sein und auf Aktivitäten unter Wasser zu verweisen, wollen damit aber vor allem Gedanken fischen. Die Schwimmer selbst sind nun für ein Jahr Teil des Gewässers und werden zu einer Nische, in der sich spezifische Gemeinschaften entwickeln können.“

Foto: © Georg Strasser

Ein Zuhause für Organismen
Die beiden rund zwei Meter hohen Skulpturen reichen etwa einen Meter über und einen weiteren Meter unter die Wasseroberfläche. Unter Wasser befinden sich Metallbehältnisse mit unterschiedlich großen Öffnungen. Sie sollen verschiedenen Organismen die Möglichkeit bieten, sich in den künstlich geschaffenen Strukturen anzusiedeln (ähnlich wie bei Schiffswracks). Die Schwimmer werden damit für die kommenden 12 Monate zu einem ungewöhnlichen Wohnzimmer für Organismen unter Wasser.

Eine der beiden Skulpturen wurde im öffentlichen Badeteich versenkt. Die zweite befindet sich im unmittelbar danebenliegenden, kleinen und kaum genutzten naturbelassener wirkenden Teich.

Nach etwa einem Jahr werden beide Schwimmer wieder aus dem Wasser geholt und wissenschaftlich untersucht. Dabei soll sichtbar werden, welche Organismen die unterschiedlichen Strukturen besiedelt haben und ob sich zwischen den beiden strukturell ähnlichen Gewässern (beides ehemalige Baggerteiche) Gemeinsamkeiten oder Unterschiede feststellen lassen.

Johannes Hoffmann erklärt: „Uns interessiert, was passiert, wenn wir einen künstlich geschaffenen Raum in ein bestehendes Ökosystem einbringen. DieSkulpturen sind für uns nicht nur Kunstobjekte, sondern auchForschungsinstrumente und Orte der Beobachtung.“

Gerade die beiden unterschiedlichen Standorte machen das Experiment besonders spannend. Die Badeteiche wirken oberirdisch klar voneinander getrennt. Sie wurden aber vom gleichen Grundwasserkörper gespeist. Mit den zwei ähnlichen schwimmenden Objekten wird eine Verbindung angedeutet.

Was unter der Oberfläche passiert
Die beiden rot-weißen Schwimmer des Projekts „am Ufer“ sollen irritieren, neugierig machen und zum Nachdenken anregen.

Was passiert unter der Wasseroberfläche, das wir normalerweise nicht sehen? Welche Lebensräume entstehen? Und wie stark sind Gewässer miteinander verbunden, auch wenn sie für uns auf den ersten Blick getrennt erscheinen?

Sichtbares Zeichen für ein Projekt unter der Oberfläche
Auch für die Marktgemeinde Loosdorf ist die Installation ein sichtbarer Teil des Projekts. „Das Projekt ‚am Ufer‘ verbindet unsere Region mit aktueller wissenschaftlicher Forschung und zeitgenössischer Kunst. Die beidenSchwimmer machen diese Verbindung jetzt unmittelbar vor Ort sichtbar und laden die Menschen ein, ihre unmittelbare Umgebung mit anderen Augen zu betrachten“, so Bürgermeister Thomas Vasku.

Harald Bichler, Vorstandsvorsitzender des Vereins nexus_art + science, sieht gerade in solchen Projekten eine zentrale Aufgabe des Vereins: „Kunst und Wissenschaft stellen unterschiedliche Fragen und verwenden unterschiedlicheMethoden. Wenn sie zusammenkommen, entstehen oft neue Perspektiven. Mit‚am Ufer‘ wollen wir diese Perspektiven nicht nur für ein Fachpublikum entwickeln, sondern gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort sichtbar und erlebbar machen.“

Die Loosdorferinnen und Loosdorfer müssen sich jedenfalls nicht wundern, wenn sie künftig zwei ungewöhnliche rot-weiße Objekte aus dem Wasser ragen sehen.

Sie sind Kunstwerke, Forschungsinstrumente und – zumindest für die kommenden zwölf Monate – ein ungewöhnliches Wohnzimmer für zahlreiche Organismen.

Über nexus_art + science
Das Projekt „am Ufer“ ist ein mehrjähriges Forschungs-und Kunstprojekt des Vereins nexus_art + science. Es verbindet Kunst, Wissenschaft und Bevölkerung und beschäftigt sich mit den Veränderungen von Flusslandschaften, Biodiversität und dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur.

Ausgangspunkt ist die dynamische Fluss-und Auenlandschaft der Pielach und die Veränderungen, die insbesondere durch das Hochwasser 2024 sichtbar geworden sind.

Unter der künstlerischen Leitung von Herwig Turk arbeitet das Projekt mitWissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie regionalen Partnern zusammen. Ziel ist es, ökologische Prozesse nicht nur wissenschaftlich zu erforschen, sondern sie auch durch Kunst sichtbar, erfahrbar und diskutierbar zu machen.

Das Projekt wird im Rahmen von Kunst im öffentlichen Raum vom LandNiederösterreich unterstützt und erhält weitere wichtige Unterstützung von derMarktgemeinde Loosdorf.