Es ist ein Ritual geworden. Die EU und die USA einigen sich auf ein Handelsabkommen. Dann setzt Donald Trump eine Frist. Dann droht er mit neuen Zöllen. Dann gibt es ein „gutes Gespräch“, eine neue Frist – und kurz darauf die nächste Drohung.
Im Sommer 2025 einigten sich Brüssel und Washington auf einen historischen Deal: Die EU senkt ihre Zölle auf US-Waren, die USA gewähren Erleichterungen. Doch die Umsetzung zog sich. Im Mai setzte Trump eine Frist, sonst drohten höhere Autozölle. Die EU lenkte ein – noch bevor die Frist ablief, kam der nächste Streit: eine Digitalsteuer-Drohung mit 100 Prozent Sonderzoll. Und jüngst das nächste Kapitel: Nach einer EU-Rekordstrafe gegen Google drohte Trump prompt mit einem „erheblichen Zoll“. Immer dieselbe Reaktion, auf immer neue Anlässe.
Was ist ein Abkommen noch wert, wenn eine Seite die Bedingungen laufend nachverhandelt? Verträge sollen Sicherheit schaffen, Unternehmen planen Lieferketten danach. Werden die Regeln aber alle paar Wochen neu gezogen, verliert das Wort „Abkommen“ seinen Sinn. Die Leidtragenden sitzen nicht in Brüssel oder Washington, sondern in den Betrieben, die auf verlässliche Exportbedingungen angewiesen sind.
Man kann das strategisch nennen – Druck durch Unsicherheit hat schon oft funktioniert. Doch wer ständig eigene Zusagen bricht, untergräbt das Vertrauen in jedes künftige Abkommen. Ein Handelsvertrag ist am Ende nur so viel wert wie das Vertrauen, das beide Seiten hineinlegen. Und das wird gerade, Anlass für Anlass, abgetragen.
Symbolbild: @ geralt auf pixabay

















