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Zwischen Fahnenmeer und Freudentränen feierte das rot-weiß-rote Alpin-Snowboard-Duo Benjamin Karl und Sabine Payer in Cortina d’Ampezzo seine historischen olympischen Erfolge.

Die Wände der umgebauten Scheune in Cortina d’Ampezzo zitterten, als die ersten Klänge von „I am from Austria“ die vollbesetzte Gala Hall erfüllten. Es war ein Montagabend, der sich weniger wie ein offizieller Empfang und vielmehr wie eine triumphale Heimkehr anfühlte. Mitten im Zentrum des Jubels standen zwei Menschen, deren Wege zu diesem Moment unterschiedlicher nicht hätten sein können, die aber nun durch das edle Metall um ihren Hals untrennbar verbunden sind. Benjamin Karl, der mit seinen 40 Jahren nun offiziell als ältester Einzel-Olympiasieger in die Geschichtsbücher eingegangen ist, wirkte sichtlich gelöst. Für den in Lienz lebenden Niederösterreicher war dieser „Super-Sunday“ die Krönung einer beispiellosen Karriere. Mit der Erfahrung von fünf Teilnahmen und einer bereits beachtlichen Sammlung aus Bronze und Silber im Gepäck, war er als einziger früherer Goldmedaillengewinner ins Rennen gegangen. Er wusste genau, dass er diesen Sieg brauchte, um endgültig zur Legende zu reifen – ein Status, den ihm nach diesem zweiten Gold in Folge niemand mehr streitig machen kann. Trotz der 25 Jahre harten Trainings und der Tatsache, dass vier Jahre Vorbereitungszeit im fortgeschrittenen Sportleralter eine andere Bedeutung bekommen, denkt Karl noch lange nicht an den Ruhestand; der Sport bleibt sein Lebenselixier.

OEOC – Mailand Cortina 2026: Benjamin Karl, Sabine Payer, 09.02.2026, Cortina, Italy. (Photo: Michael Meindl)

Direkt neben ihm genoss Sabine Payer das Bad in der Menge mit einer Intensität, die nur jemand empfinden kann, der jahrelang vom Pech verfolgt wurde. Während Karls Erfolg der Sieg eines Routiniers war, glich Payers Silbermedaille einer sportlichen Auferstehung. Die 33-jährige Kärntnerin hatte in der Vergangenheit bittere Rückschläge einstecken müssen: Eine verpasste Qualifikation für Sotschi, ein gebrochenes Sprunggelenk kurz vor Pyeongchang und die deprimierende Covid-Quarantäne in Peking, die sie zur Zuschauerin degradierte. Doch in diesem Jahr wendete sich das Blatt. Gemeinsam mit ihrem Mann Alex, der nicht nur als emotionaler Rückhalt, sondern auch als Taktikfuchs fungierte, durfte sie endlich ins olympische Geschehen eingreifen. Dass sie im Viertelfinale sogar die scheinbar unbesiegbare Ester Ledecka aus dem Rennen warf – ein Coup, den ihr laut eigener Aussage nicht einmal ihr Bruder zugetraut hatte –, machte diesen Erfolg umso süßer. In der urigen Atmosphäre des Austria House, umgeben von ÖOC-Größen wie Präsident Horst Nussbaumer, internationalen Gästen und Sportkollegen wie dem Rodler Jonas Müller, schien die Last der vergangenen Jahre von ihr abzufallen. Zwischen den Gratulanten aus über 20 Nationen wurde an diesem Abend deutlich, dass Olympia die schönsten Geschichten eben doch noch selbst schreibt – egal, ob es das späte Gold einer Legende oder das verdiente Silber einer Unverwüstlichen ist.