Anzeige

AUTOTEST. Renault Clio Esprit Alpine Full Hybrid E-Tech 160

Der Clio gehört zu jenen Renault-Modellen, mit denen die Marke ihre jüngste Erfolgswelle richtig in Fahrt gebracht hat. Jetzt steht die sechste Generation vor uns – sportlicher, selbstbewusster und technisch nochmals deutlich weiter. Als Esprit Alpine mit Full Hybrid E-Tech wird aus dem schicken Franzosen ein kleiner Kraftprotz, der gleichzeitig erstaunlich genügsam bleibt.

Manchmal ist ein Modellwechsel eher Evolution, manchmal ein echter Neustart. Beim neuen Clio tendieren wir klar zu Letzterem. Der Vorgänger hat Renault bereits zurück auf die Erfolgsspur geführt, der Neue legt optisch nochmals ordentlich nach. Flacher wirkende Front, markante Lichtsignatur, kräftig modellierte Flanken und beim Esprit Alpine die 18-Zoll-Leichtmetallräder „Cosmic“ – der Clio sieht richtig gut aus.

Unser Testwagen verstärkt diesen Auftritt zusätzlich. Er wirkt sportlich, aber nicht überzeichnet. Mit 4,12 Metern Länge ist er außerdem kein winziger Kleinwagen mehr, bleibt aber angenehm handlich.

Innen wird es französisch – im besten Sinne. Das Cockpit hat Stil, wirkt modern und ein wenig verspielter als bei manchem nüchternen Konkurrenten. Der 10,3-Zoll-Instrumentencluster und das optionale OpenR-link-System mit 10,4-Zoll-Touchscreen samt Google-Navigation bilden die digitale Zentrale. Unser Testwagen verwöhnt zusätzlich mit Harman/Kardon-Soundsystem, Parking- und Winter-Paket. Dazu kommen Rückfahrkamera, Einparkhilfen rundum, Klimaautomatik, Voll-LED-Scheinwerfer, induktives Smartphone-Laden und zahlreiche Assistenzsysteme. Die Esprit-Alpine-Details bringen genau jene sportliche Note hinein, die zum Charakter unseres Clio passt. Dennoch kommt der praktische Alltag nicht zu kurz. Der Kofferraum des Full Hybrid fasst bis zu 309 Liter, bei umgelegter Rückbank stehen bis zu 1.094 Liter zur Verfügung.

Technisches Herzstück ist der neue Full Hybrid E-Tech 160. Das System kombiniert einen 1,8-Liter-Benziner mit elektrischem Antrieb und einem cleveren Multi-Mode-Automatikgetriebe. Dermaßen ausgestattet, stehen 116 kW/158 PS Systemleistung zur Verfügung. Der Clio fährt ohne externes Laden, gewinnt beim Verzögern Energie zurück und startet besonders häufig elektrisch. Auf der Straße wirkt das System kräftiger, als wir es von einem sparsamen Kleinwagen erwarten. Vom Start weg spricht der Clio spontan an, der elektrische Schub sorgt für ordentlich Nachdruck und auch beim Überholen sind genügend Reserven vorhanden. Von 0 auf 100 km/h vergehen gestoppte 8,1 Sekunden, erst bei 180 km/h endet der begrenzte Vortrieb. Gegenüber seinem Vorgänger ist der neue Hybrid damit nicht nur stärker, sondern beim Standardsprint gleich eine ganze Sekunde schneller. Das passt ausgezeichnet zum Esprit Alpine. Der Clio fühlt sich leichtfüßig an, lenkt präzise ein und macht auf kurvigen Landstraßen richtig Spaß. Trotzdem wird er nicht zum harten Möchtegern-Sportler. Der Federungskomfort bleibt absolut alltagstauglich, und genau diese Mischung gefällt uns.

Fast noch erstaunlicher ist die zweite Seite seines Charakters. Unser kleiner Kraftprotz entwickelt nämlich ausgeprägte Sparefroh-Allüren. Im Test kommen wir auf rund 4,2 bis 4,9 Liter Super je 100 Kilometer. Dafür brauchen wir weder Ladekabel noch besondere Zurückhaltung. Das Hybridsystem erledigt seine Arbeit weitgehend im Hintergrund und nutzt elektrische Fahrphasen dort, wo sie sinnvoll sind.

Preislich startet der neue Clio als Evolution TCe 115 bei 19.990 Euro. Unser Esprit Alpine Full Hybrid E-Tech 160 kostet 28.490 Euro, mit Sondermetallic, OpenR link samt Harman/Kardon sowie Parking- und Winter-Paket stehen schließlich 30.830 Euro auf der Rechnung.

Fazit: Dieser Clio hat etwas, das sich schwer in Zahlen ausdrücken lässt: Man steigt gerne ein. Er sieht verdammt gut aus, macht hinter dem Lenkrad Laune, überrascht an der Tankstelle mit bemerkenswerter Zurückhaltung und eine Portion Alpine fährt auch mit. Ein kleiner Franzose, den wir nach zwei Testwochen nur ungern wieder abstellen.

Fotos: © slz