AUTOTEST. Polestar 4 Long Range Dual Motor
Schlicht, nachhaltig und dabei verblüffend schnell – der Polestar 4 zeigt, wie souverän modernes Premium heute auftreten kann.
Wir steigen ein und merken sofort: Hier will nichts laut sein. Kein verspieltes Design, kein überladenes Technik-Theater. Der Polestar 4 Long Range Dual Motor setzt konsequent auf skandinavische Klarheit. Glatte Flächen, präzise Linien und eine sehr reduzierte Formensprache bestimmen den massiven Auftritt auf 22-Zoll-Perfomance-Felgen. Mit einer Länge von 4,84 Metern wirkt das Coupé-SUV selbstbewusst, aber nie protzig. Nachhaltigkeit ist dabei fest im Konzept verankert: recycelte Materialien, textile Oberflächen und bewusst eingesetzte Farben schaffen ein hochwertiges, ruhiges Gesamtbild, das angenehm entschleunigt.
Im Innenraum setzt sich diese Philosophie nahtlos fort. Das Cockpit ist klar strukturiert und wirkt fast wohnlich. Herzstück ist der 15,4 Zoll große zentrale Touchscreen, über den nahezu alle Funktionen gesteuert werden. Das auf Android Automotive basierende Infotainment inklusive Google-Navigation überzeugt mit schneller Reaktion, logisch aufgebauten Menüs und guter Sprachsteuerung. Nach kurzer Eingewöhnung findet man sich intuitiv zurecht. Ergänzt wird der Hauptbildschirm durch ein 10,2 Zoll großes Fahrerdisplay mit klaren, reduzierten Anzeigen. Die Haptik der Materialien passt zum Anspruch: nichts klappert, alles fühlt sich solide und hochwertig an.
Zur Serienausstattung zählen unter anderem das große Panoramaglasdach, das viel Licht in den Innenraum bringt, sowie die stimmungsvolle Ambientebeleuchtung, die besonders bei Nacht ein nobles Lounge-Gefühl erzeugt. Die Sitze sind hervorragend geformt, langstreckentauglich und bieten auch nach vielen Kilometern hohen Komfort. Die verbaute Harman-Kardon-Soundanlage fügt sich perfekt ins ruhige Gesamtbild ein und liefert satten, präzisen Klang ohne Effekthascherei.
Ein markantes Detail bleibt die fehlende Heckscheibe. Stattdessen übernimmt eine Kamera die Sicht nach hinten, das Bild erscheint im digitalen Innenspiegel. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert dieses System überraschend selbstverständlich und bietet unabhängig von Wetter oder Verschmutzung stets klare Sicht. Gleichzeitig profitieren Design und Kopffreiheit im Fond von dieser Lösung.
Auch praktisch zeigt sich der Polestar 4 überzeugend. Der Kofferraum fasst 526 Liter und ist dank großer, elektrischer Heckklappe gut nutzbar. Zusätzlich steht vorne ein kleiner Frunk für Ladekabel oder kleinere Utensilien zur Verfügung.
Bei den Fahrleistungen spielt der elektrische Allradantrieb seine ganze Stärke aus. Zwei Elektromotoren liefern gemeinsam 400 kW/544 PS und sorgen für enorme Traktion. Den Sprint von 0 auf 100 km/h stoppen wir bei 3,7 Sekunden. Der Antritt ist brutal direkt, dabei stets kontrolliert und souverän. Überholmanöver gelingen mühelos, Leistungsreserven sind jederzeit reichlich und ohne Ende vorhanden.
Auch beim Laden zeigt sich der Polestar langstreckentauglich. An DC-Schnellladesäulen sind Ladeleistungen von bis zu 200 kW möglich, an AC lädt unser Testwagen mit bis zu 22 kW. Beim Verbrauch bleiben wir in den Wintermonaten Dezember und Jänner im Bereich von etwa 19,4 bis 22,5 kWh/100 km. Damit bewegt sich der Polestar trotz Leistung, Größe und Allradantrieb auf erfreulich effizientem Niveau und etwa im Rahmen der Werksangaben.
Fazit: Der Polestar 4 Long Range Dual Motor ist ein extrem hochwertiges, konsequent durchdachtes Elektroauto. Er verbindet skandinavische Schlichtheit und glaubwürdige Nachhaltigkeit mit modernem Infotainment, starkem Allradantrieb und beeindruckenden Fahrleistungen. Ein nobles, leises Langstreckenfahrzeug, das seine Stärke nicht ausstellt – sondern sie souverän lebt. Ein Auto für Individualisten, die das Besondere schätzen.
Fotos: © slz





















