AUTOTEST. BYD ATTO 3 EVO Excellence
Braves Familien-SUV? Von wegen. Der neue BYD ATTO 3 EVO lässt äußerlich kaum erahnen, welches Kraftpaket unter seinem Blech steckt. Rund 450 PS, Allradantrieb und ein Antritt auf Sportwagenniveau machen aus dem kompakten Stromer einen echten Wolf im Schafspelz. Dazu kommen 800-Volt-Technik, 220 kW Ladeleistung und eine Ausstattung, bei der kaum Wünsche offenbleiben.
Der ATTO 3 war eines jener Modelle, mit denen BYD in Österreich richtig Fuß gefasst hat. Beim neuen EVO könnte man auf den ersten Blick glauben, die Chinesen hätten sich mit einer klassischen Modellpflege begnügt. Weit gefehlt. Technisch wurde der Wagen nahezu neu erfunden. Statt Frontantrieb gibt es Heck- oder Allradantrieb, die Batterie ist größer, das Laden wesentlich schneller und bei der Leistung legt die Topversion gewaltig nach.
Unser Excellence schickt 330 kW/449 PS und 560 Nm über zwei Elektromotoren an alle vier Räder. Ein beherzter Tritt aufs Fahrpedal sorgt für einen Moment, den man in einem derart unscheinbaren Familien-SUV nicht erwartet. Der BYD katapultiert sich vehement nach vorne, der Allrad bringt die Kraft sauber auf den Asphalt und der Druck lässt auch jenseits des Landstraßentempos nicht schlagartig nach. BYD verspricht 3,9 Sekunden auf Tempo 100 – wir stoppen sogar famose 3,8 Sekunden. Das ist Porsche-Territorium, nur sieht der ATTO 3 EVO überhaupt nicht danach aus. Erst bei 200 km/h wird elektronisch Schluss gemacht.
Erfreulich ist, dass BYD nicht einfach gewaltige Leistung in ein komfortables SUV gepackt hat. Die neue Fünflenker-Hinterachse und das straffere Fahrwerk passen zum Temperament, ohne den EVO zum ungemütlichen Sportgerät zu machen. Schnelle Kurven absolviert er souverän, die Lenkung arbeitet präzise und im Alltag bleibt genügend Federungskomfort übrig.
Fast verblüffender als die Fahrleistungen ist der Energiehunger – beziehungsweise dessen Abwesenheit. Die 20-kWh-Marke sehen wir praktisch immer von unten. Wer es darauf anlegt, schafft selbst auf durchaus flotten Runden Werte um 15,5 kWh pro 100 Kilometer. Für einen knapp 450 PS starken Allrad-Stromer ist das eine echte Ansage.
Auch beim Laden hat BYD einen riesigen Sprung gemacht. Die 74,8 kWh große Blade Battery arbeitet nun mit 800-Volt-Technologie. Bis zu 220 kW DC sind möglich, womit der Akku unter optimalen Bedingungen in rund 25 Minuten von zehn auf 80 Prozent kommt. Wechselstrom fließt mit bis zu 11 kW. Für den Excellence nennt BYD 470 Kilometer Normreichweite. Praktisch ist außerdem V2L: Mit bis zu 3,3 kW wird der BYD bei Bedarf selbst zur mobilen Stromquelle.
Innen bleibt der ATTO unverwechselbar. Die ausgefallenen Türgriffe, die an Gitarrensaiten erinnernden Ablagen und weitere eigenständige Details sorgen dafür, dass hier kein beliebiges Cockpit vor uns steht. Zentral sitzt nun ein 15,6-Zoll-Touchscreen mit Google-Integration, Navigation und Sprachsteuerung. Auffällig für ATTO-Kenner: Der Bildschirm lässt sich nicht mehr wie bisher um 90 Grad vom Quer- ins Hochformat drehen. Dafür verwöhnt der Excellence mit Head-up-Display, beheizbaren Rücksitzen, Panorama-Glasschiebedach samt elektrischem Sonnenrollo, elektrisch verstell- und beheizbaren Vordersitzen, 360-Grad-Kamera, kabellosem Smartphone-Laden und Wärmepumpe.
Platz gibt es ebenfalls reichlich: 490 Liter passen ins Heck, dazu kommt vorne ein rund 100 Liter großer Frunk. Sogar 1.500 Kilogramm gebremste Anhängelast sind möglich.
Und genau hier spielt BYD eine weitere Stärke aus: die Preispolitik. Statt ein attraktives Grundmodell zu zeigen und zahlreiche begehrenswerte Extras anschließend einzeln zu verrechnen, ist bereits sehr viel serienmäßig an Bord. Der ATTO 3 EVO startet aktuell inklusive der angebotenen Boni bei 35.990 Euro plus Österreich-Paket – angesichts von Technik, Ausstattung und Performance eine Kampfansage.
FAZIT. Ein Porsche in Tarnkleidung: Der ATTO 3 EVO Excellence sieht nach vernünftigem Familien-SUV aus und fährt bei Bedarf wie ein Sportwagen. 3,8 Sekunden auf 100, enorme Traktion und erstaunlich niedriger Verbrauch treffen auf 800-Volt-Technik und hohen Alltagsnutzen. Dieser BYD ist eine echte Überraschung.
Fotos: © slz
















