Anzeige

Am 1. April 2027 fallen in Niederösterreich elf von 32 Notarztstützpunkten weg, darunter Klosterneuburg, Retz und Waidhofen an der Ybbs. Besonders hitzig wird es in Ybbs und in Pöggstall. Dort bekommen die Menschen künftig reine Notfallsanitäter-Teams statt eines Notarztes. Der Streit darüber ist heftig, und beide Seiten haben Argumente. Die Befürworter verweisen auf den Gesundheitsplan 2040+, den mehr als 50 Fachleute erarbeitet haben. Rotes Kreuz und Samariterbund halten den Termin für machbar. Das neue System soll engmaschiger werden, mit mehr Ersthelfern, Telemedizin und Flugrettung. Bei Herzinfarkt und Schlaganfall zähle ohnehin der schnelle Weg in die Spezialklinik, heißt es. Doch genau hier liegt das Problem. Ein Sanitäter ersetzt keinen Arzt, das betonen die Rettungsorganisationen selbst. Der Stützpunkt Ybbs-Persenbeug rückt seit 2008 aus, mit weit über 1.000 Einsätzen im Jahr für mehr als 30 Gemeinden. Erfahrene Notärzte warnen eindringlich, auch Bürgermeister der Region sprechen von großer Verunsicherung. Ein „riesiger Rückschritt“ sei die Schließung, sagt ein pensionierter Notarzt. Die volle Besetzung aller neuen Standorte ist erst für 2030 geplant. Selbst die SPÖ, die dem Plan im Vorjahr noch zugestimmt hat, hält das neue System für nicht ausreichend erprobt. Ein Gesundheitssystem darf nicht im Alltag getestet werden, schon gar nicht auf Kosten jener, die auf dem Land leben. Wo es um Minuten geht, zählt jeder Stützpunkt. Reformen sind richtig, wenn sie funktionieren. Bevor sie nicht funktionieren, sollten die Stützpunkte bleiben. Sicherheit geht vor Tempo.

Symbolbild: © axogau auf pixabay