Das Waldviertel setzt ein kraftvolles Zeichen für das soziale Miteinander und hebt die klassische Nachbarschaftshilfe auf eine völlig neue Ebene. Mit der Gründung des Vereins „NachbarschaftsKultur“ haben sich 31 Gemeinden zusammengeschlossen, um das ehrenamtliche Engagement über die eigenen Dorfgrenzen hinweg zu bündeln und die Lebensqualität vor allem für die ältere Generation nachhaltig zu sichern.
Das Projekt, das durch einen Vertrag zwischen der Kulturregion Niederösterreich und dem neuen Verein besiegelt wurde, führt bewährte Initiativen wie „Nachbarschaftshilfe Plus“ und „DAVNE“ unter einem gemeinsamen Dach zusammen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sieht darin eine gelebte Solidarität, die es Senioren ermöglicht, so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben.

Im Kern der Arbeit stehen ganz praktische Hilfestellungen, die im Alltag oft den entscheidenden Unterschied machen. Rund 600 Freiwillige leisten jährlich über 6.500 Einsätze, die von Fahrt- und Begleitdiensten bis hin zu gemeinsamen Spaziergängen oder Besuchen reichen. Dieses engmaschige Netz schließt Lücken im sozialen Gefüge und wird bereits von etwa 850 Menschen pro Jahr dankbar genutzt. Dabei betont der Obmann des Vereins, Günter Schalko, dass nicht nur die Bindung zwischen den Bürgern wächst, sondern auch die Gemeinden selbst enger zusammenrücken. Auch die Wissenschaft bestätigt den Wert dieser Arbeit: Laut dem Altersforscher Franz Kolland ist der soziale Austausch im hohen Alter eine essenzielle Säule für die Gesundheit.
Besonders bemerkenswert ist die Flexibilität des Modells, die es den Ehrenamtlichen – meist Menschen, die bereits im Ruhestand sind – erlaubt, sich nach ihren individuellen zeitlichen Möglichkeiten einzubringen. Diese punktgenaue Unterstützung wird professionell koordiniert, um sowohl den Helfenden als auch den Hilfesuchenden Sicherheit zu geben. Für Aktive wie Christine Steindl aus Waldhausen ist die spürbare Dankbarkeit der Menschen die größte Triebfeder ihres Handelns. In einer Zeit, in der Anonymität oft zunimmt, beweist das Waldviertel mit dieser Initiative, dass Gemeinschaft und Nähe durch regionale Zusammenarbeit zu einem tragenden Fundament der Gesellschaft werden können.














