AUTOTEST. Mercedes-Benz G 580 mit EQ Technologie
Die G-Klasse wird elektrisch – und bleibt trotzdem eine echte G-Klasse. Mehr noch: Sie entwickelt sich zum faszinierenden Technik-Kunstwerk auf Rädern, das Tradition, Luxus und Zukunft so spektakulär verbindet wie derzeit kaum ein anderes Auto.
Es gibt Fahrzeuge, die beeindrucken. Und es gibt Fahrzeuge, die selbst im Stillstand eine Aura entwickeln. Der neue Mercedes-Benz G 580 mit EQ Technologie gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Schon beim ersten Blick auf die kantige Silhouette wird klar: Hier fährt keine gewöhnliche Elektro-Neuheit vor. Die elektrische G-Klasse wirkt wie eine futuristische Designstudie, die versehentlich in Serie gegangen ist. Besonders in MANUFAKTUR südseeblau metallic entfaltet der legendäre Geländewagen eine fast majestätische Präsenz. Das Night-Paket mit abgedunkelten Leuchteinheiten und schwarzer Kühlerverkleidung verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Die klassischen G-Proportionen bleiben unangetastet – senkrechte Frontscheibe, markante Blinker auf den Kotflügeln, sichtbare Türgriffe und die beinahe militärische Formensprache. Genau das macht dieses Auto so faszinierend: Er ist sofort als G-Klasse erkennbar und gleichzeitig radikal modern.
Im Innenraum erleben wir dann eine Mischung aus Luxuslounge, Hightech-Zentrale und Maßanfertigung. Schwarzes MANUFAKTUR-Leder mit blauen Kontrastnähten, offenporiges Walnussholz, Mikrofaser-Dachhimmel und beleuchtete Einstiegsleisten erzeugen eine Atmosphäre, die eher an eine exklusive Yacht als an einen Geländewagen erinnert. Gleichzeitig dominieren modernste Displays und digitale Funktionen das Cockpit. Das MBUX-System mit Augmented-Reality-Navigation, Burmester® 3D-Soundsystem und Ambientebeleuchtung bringt die G-Klasse endgültig im digitalen Zeitalter an. Besonders beeindruckend wirkt dabei die perfekte Verbindung aus analoger Robustheit und virtueller Hightech-Welt.
Auch beim Platzangebot bleibt die G-Klasse ihrer Linie treu. Man sitzt hoch, souverän und mit einem Überblick, den kaum ein anderes Fahrzeug vermittelt. Trotz der gewaltigen Batterietechnik bleibt das Raumgefühl großzügig. Hinten reisen Erwachsene ausgesprochen komfortabel, während das elektrisch angetriebene Luxus-SUV auch lange Strecken mit erstaunlicher Gelassenheit absolviert. Der Kofferraum bietet mit rund 620 Litern Volumen ausreichend Platz für Alltag, Reise oder Sportequipment und bleibt damit trotz der gewaltigen Batterietechnik absolut familientauglich – wobei man bei diesem Fahrzeug ohnehin schnell vergisst, dass es eigentlich auch praktische Aufgaben erfüllen soll.
Technisch zählt der G 580 derzeit zum Spannendsten, was die Automobilwelt hervorbringt. Vier einzeln angesteuerte Elektromotoren liefern gemeinsam beeindruckende 432 kW / 587 PS und katapultieren den über drei Tonnen schweren Koloss in nur 4,5 Sekunden auf Tempo 100. Das klingt absurd – und fühlt sich noch absurder an. Denn die Beschleunigung erfolgt vollkommen lautlos und mit einer Wucht, die beinahe surreal wirkt.
Und dennoch gelingt Mercedes etwas Erstaunliches: Auf Wunsch erzeugt die elektrische G-Klasse über das System „G-ROAR“ einen täuschend echten Verbrenner-Sound, der stark an einen großen Achtzylinder erinnert. Der Klang wirkt überraschend authentisch, tief und emotional – fast wie bei einem klassischen AMG-Modell. Gerade beim Beschleunigen entsteht dadurch eine akustische Kulisse, die perfekt zur massiven Erscheinung der G-Klasse passt. Man vergisst stellenweise völlig, in einem Elektroauto zu sitzen. Mercedes beweist damit eindrucksvoll, dass Elektromobilität nicht emotionslos sein muss.
Besonders spektakulär sind jedoch die neuen Offroad-Technologien. G-TURN ermöglicht beinahe eine Drehung auf der Stelle, G-STEERING reduziert den Wendekreis im Gelände und das Offroad-Kriechen bewegt das Fahrzeug millimetergenau über schwierigen Untergrund. Dazu kommt Torque Vectoring, das die Kraft intelligent zwischen den Rädern verteilt. Man merkt schnell: Mercedes entwickelt hier nicht einfach einen elektrischen Geländewagen, sondern definiert die G-Klasse technisch völlig neu.
Beim Verbrauch zeigt sich der elektrische G erwartungsgemäß nicht gerade zurückhaltend. Realistisch bewegen wir uns – je nach Fahrweise – meist irgendwo zwischen 25 und 35 kWh pro 100 Kilometer. Hand aufs Herz: Wer eine fast 180.000 Euro teure G-Klasse standesgemäß bewegt, wird kaum jedes einzelne Kilowatt zählen. Vielmehr passt dieser souveräne Energiehunger erstaunlich gut zum Charakter des Fahrzeugs. Die große Batterie sorgt trotzdem für alltagstaugliche Reichweiten.
Fazit: Am Ende bleibt der Mercedes-Benz G 580 mit EQ Technologie vor allem eines:
ein automobil gewordenes Prestigeobjekt. Kein rationales Elektroauto, sondern ein rollendes Gesamtkunstwerk aus Luxus, Ingenieurskunst und Zukunftstechnologie. Die elektrische Revolution erreicht damit endgültig auch die automobile Ikone – und selten geschieht das derart spektakulär.
Fotos: © slz
















